Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Wilhelm Breitenbach, Jena, 15. April 1915

Jena 15.4.15.

Lieber Herr Doktor!

Beifolgend sende ich Ihnen die neue „kleine Ausgabe“ der „Kunstformen der Natur“, welche auf Wunsch der Verlagshandlung (B. I.) erschien – ohne meine Anregung – Ferner die Anzeige der Gesammelten Werke von Fritz Müller, die ich zurück erbitte (nebst Brief des Herausgebers Alfred Möller).

Ihre Mitteilungen über das traurige Geschick des trefflichen J. G. Vogt in London haben mich sehr interessiert. Der arme Mann (vor 20 Jahren in Leipzig, in glänzenden Verhältnissen) hat Viel durchgemacht (teils durch Mißgeschick, teils durch eigene Schuld?). Ich fürchte, daß ihm schwerlich zu helfen sein wird. ||

Ihre Ansichten über den entsetzlichen Weltkrieg und unseren Rückfall in die Barbarei teile ich vollständig! Kein Mensch kann ahnen, Wann? Wie? Und Wo? der Friede geschlossen wird.

Ich hatte einen schlechten Winter. Meine Frau ist seit einem halben Jahr sehr krank. Auch meine Gesundheit nimmt jetzt merklich ab. (Marasmus senilis!) Ernstlich arbeiten kann ich nicht mehr. Die freie Körperbewegung fällt mir schwer. Ich beschäftige mich mit Ordnen – unseres literarischen Nachlasses und des kolossalen Briefschatzes, wobei Dr. H. Schmidt als Archivar des Phylet. Museum mithilft. Vielleicht können Sie später auch mitarbeiten und meinem Sohn (als „Universal-Erben“) mit gutem Rate zur Seite stehen.

Mit besten Grüßen

Ihr alter

E. Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
15-04-1915
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Archiv des Helmholtz-Gymnasiums Bielefeld
ID
41153