Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Wilhelm Breitenbach, Jena, 16. Juni 1907

Zoologisches Institut der

Universität Jena.

Jena 16. Juni 1907.

Geehrter Herr Dr. Breitenbach!

Den Ausführungen über die Organisation und Tätigkeit unseres „Deutschen Monistenbundes“, welche Sie in Ihrem Rundschreiben an dessen Ausschuß-Mitglieder (vom 31. Mai 1907)a dargelegt haben, stimme ich in den meisten Punkten bei! Insbesondere halte ich für nützlich, daß:

– 1. die monatlich (– oder später halbmonatlich –) regelmäßig erscheinenden „Blätter“ als eigenes Organ ihren selbständigen Charakter (in eigenem Verlage) bewahren –

– 2. daß sie im kleinen Octav-Format (nicht im unhandlichen Quart) fortgeführt werden –

– 3. jedes Heft (womöglich 2 Bogen) einen Umschlag (auch für Inserate mit Vorteil zu verwerten) erhält. – ||

– 4. Feste Beiträge (etwa 6 Mk jährlich pro Mitglied) werden auf die Dauer notwendig sein.

– 5. Der ursprüngliche aristokratische Charakter des Bundes ist zu wahren und die straffe Organisation nicht durch überwiegenden Einfluß der zahlreichen Ortsgruppen zu Ungunsten der centralen Geschäftsleitung zu schwächen.

– 6. Ob nicht die Verlegung der centralen Leitung (in der Sie und Dr. Heinrich Schmidt vereinigt die Geschäfte, in Übereinstimmung mit dem activen Praesidenten, zu leisten hätten) von Jena nach München vorteilhaft wäre, gebe ich der Erwägung anheim; bisher hat sich die Ortsgruppe München (geeinigt durch den unmittelbaren klerikalen Contact!) als die activste erwiesen! – ||

Ich stelle Ihnen anheim, ob Sie diese unmaßgeblichen persönlichen Meinungs-Äußerungen im Interesse unseres Monistenbundes verwerten wollen. Als Sie mir spontan die Stellung eines „Ehrenpräsidenten“ zudachten und übertrugen, habe ich sogleich erklärt, daß mir bei meinen 72 Jahren sowohl die schwankende Gesundheit als die Überladung mit dringenden, noch vor meinem Ende zu erledigenden Arbeiten jede unmittelbare praktische Mitarbeit an der Organisation und Tätigkeit des Monistenbundes verbieten. Trotzdem bewahre ich demselben naturgemäß die regste Anteilnahme, und hoffe, daß seine fruchtbare Kulturarbeit im Interesse der freien geistigen Entwickelung und des Vernunfts-Fortschrittes sich immer befriedigender ausbreiten wird. ||

Mit besten Wünschen für stetiges Wachstum und Gedeihen des Monistenbundes, dessen Mitglieder-Zahl 3000 hoffentlich bald überschreiten wird, und mit freundlichen Grüßen

Ihr ergebener

Ernst Haeckel.

a eingef. mit Einfügungszeichen: (vom 31. Mai 1907)

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
16-06-1907
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Archiv des Helmholtz-Gymnasiums Bielefeld
ID
41062