Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Wilhelm Breitenbach, Jena, 24. April 1905

Jena 24.4.1905.

Lieber Herr Doctor!

Von der anstrengenden Darwinistischen Campagne aus Berlin zurückgekehrt, komme ich erst heute dazu, Ihren Brief vom 10.4. zu beantworten. Schon ehe ich denselben erhielt, hatte ich von mehreren meiner alten Verleger die dringende Bitte erhalten, ihnen den Verlag meiner Berliner Vorträge zu überlassen; aus besonderen Rücksichten hatte ich Einem davon, dem ich besonders verpflichtet bin, zugesagt. Ich muß also sehr bedauern, Ihren Wunsch nicht erfüllen zu können. Hoffentlich kann ich später noch einen Beitrag zu Ihrer Sammlung liefern. ||

Die ganze Berliner Episode kam über mich wie ein Wirbelsturm und hat sich innerhalb 19 Tagen abgespielt. Am 1. April erhielt ich ganz unerwartet die Einladung zu einem Vortrag in der Sing Akademie. Nach einigen Bedenken sagte ich am 4. zu. Der Vortrag wurde in 6 Tagen entworfen; da er zu lang wurde, in 2 geteilt. Bei dem colossalen Andrang mußte ich beide Vorträge wiederholen und endlich (am 19.4.) als Supplement noch einen „Abschieds-Vortrag“ zugeben. Der Erfolg übertraf meine kühnsten Erwartungen; das Übrige wissen Sie aus den Zeitungen.

Jetzt bin ich froh, wieder gesund in meiner stillen Klause zu sitzen. Einige hundert Briefe warten auf Antwort. Daher nur in Eile beste Grüße!

Ihr E. Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
24-04-1905
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Archiv des Helmholtz-Gymnasiums Bielefeld
ID
41042