Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Unbekannt (Freunde), 18. Mai 1911

Aus Anlaß des schweren Unfalls, der mich am 20. April d. J. betroffen hat und der einen Bruch im linken Hüftgelenk zur Folge hatte, sind mir überaus zahlreiche Kundgebungen herzlicher Teilnahme zugegangen. Da ich ausser Stande bin, allen einzelnen Freunden und Gesinnungsgenossen meinen aufrichtigen Dank schriftlich auszusprechen, bitte ich ihn in diesen Zeilen entgegen nehmen zu wollen.

Um vielen Anfragen nach meinem jetzigen Befinden und zukünftigen Aussichten zu genügen, füge ich noch die Mitteilung hinzu, daß die Fractur des Oberschenkelhalses (innerhalb des Gelenkkapsel) relativ günstig verlaufen ist, da beide Bruchflächen fest ineinander gekeilt sind. Indessen wird die langwierige und schmerzhafte Heilung (im 78sten Lebensjahre) immerhin sehr langsam verlaufen und eine dauernde Verkürzung des Beines hinterlassen. Mehrere Monate werde ich noch an das Zimmer gefesselt sein. Besonders bedaure ich, daß dadurch mein Arbeitsplan dieses Jahres, die Einrichtung des Phyletischen Archivs und die Niederschrift meiner Lebenserinnerungen, auf unbestimmte Zeit verschoben ist.

Ernst Haeckel.

Jena, 18. Mai 1911.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
18-05-1911
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Unbekannt
Signatur
A 40253
ID
40253