Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Georg II., Herzog von Sachsen-Meiningen, Jena, 31. Dezember 1905

Zoologisches Institut

der Universität Jena.

Jena, den 31. Decbr. 1905.

Durchlauchtigster Herr Herzog!

Zum bevorstehenden neuen Jahre erlaube ich mir Ew. Hoheit und Ihrer hochverehrten Frau Gemahlin meine ehrerbietigsten Glückwünsche zu senden. Ich hatte gehofft denselben einige Farbendrucke von indischen Landschaften beilegen zu können, Reproductionen meiner Aquarell-Skizzen, die Dr. W. Köhler (Gera) unter dem Titel „Wanderbilder“ publicirt. Aber leider sind nicht alle Blätter fertig geworden, so daß ich sie Ihnen erst in einigen Wochen zusenden kann. ||

Das heute zu Ende gehende Jahr war für mich wenig erfreulich. Auf einer sehr anstrengenden Pfingst-Exkursion in die Urwälder an der Böhmisch-Bayrischen Grenze hatte ich mir ein rheumatisches Fieber (mit Gelenk-Entzündungen) zugezogen, dessen Folgen durch eine mißlungene Kur in Baden-Baden (im September) verschlimmert wurden. So wurde ich leider gezwungen, meine Vorlesungen für dieses Semester (– mein 90stes in Jena –) ganz auszusetzen. Seit einigen Wochen geht es langsam besser; ich hoffe im Sommer wieder meine akademische Tätigkeit aufnehmen zu können. ||

In der Hoffnung, daß Ew. Hoheit und Ihre Familie das morgen beginnende neue Jahr in voller Gesundheit und froher Stimmung antreten, bleibe ich mit besten Wünschen – denen sich auch meine Frau anschließt – Ew. Hoheit dankbar ergebener

Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
31-12-1905
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Thür. Staatsarchiv Meiningen
Signatur
Hausarchiv, NL Helene von Heldburg, Nr. 1335
ID
40097