Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Georg II., Herzog von Sachsen-Meiningen, Jena, 29. Juni 1905

Diktat.

Zoologisches Institut

der Universität Jena.

Jena den 29. Juni 1905.

Ew. Hoheit!

Heute muß ich Ihnen leider meinen ehrerbietigsten Gruß durch die Hand meiner Tochter schicken, da mein rechter Arm infolge eines Unfalls für einige Wochen nicht zu brauchen ist.

Ich benutzte die Pfingstwoche zu einem sehr interessanten Ausflug in den Böhmischen und Bayrischen Wald. Zur Erinnerung an die großartige, urwüchsige Wildnis brachte ich 20 Aquarell-Skizzen heim. Sowohl der Böhmische Urwald am Eleonorenhain als der Bayrische Urwald am Arber sind reich an großartigen Stimmungsbildern, die dem „Hochwald“ von Stifters Studien entsprechen. ||

Leider hatte ich noch zuletzt das Misgeschick mir beim Klettern im Urwald den rechten Arm so zu verletzen, daß ich ihn für einige Zeit nicht brauchen kann.

Sehr bedauert habe ich an der akademischen Deputation nicht teilnehmen zu können, welche kürzlich die Ehre hatte Ew. Hoheit das Ehrendiplom des Dr. phil. von Seiten unserer philosophischen Fakultät zu überbringen.

Beifolgend beehre ich mich Ew. Hoheit und Ihrer hochverehrten Frau Gemahlin sowie deren Bruder und auch Prinz Ernsta, die Berliner Vorträge über den Entwicklung-Gedanken zu überreichen, die soeben erschienen sind. ||

Die Abhaltung dieser drei Berliner Vorträge, gegen die ich mich anfangs sehr sträubte und die eigentlich keinen neuen Gedanken bringen konnten, ist wider Erwarten sehr wirkungsvoll gewesen.

Den größten Teil der Herbstferien gedenke ich hier zu bleiben, und der Ordnung meiner Sammlungen zu widmen.

Mit den ehrerbietigsten Empfehlungen an Ew. Hoheit und Ihre hochverehrte Frau Gemahlin

Ihr dankbar ergebener

Ernst Haeckel.

a mit Einfügungszeichen eingef.: und auch Prinz Ernst

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
29-06-1905
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Thür. Staatsarchiv Meiningen
Signatur
Hausarchiv, NL Helene von Heldburg, Nr. 1335
ID
40087