Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Helene Freifrau von Heldburg, Jena, 17. Januar 1898

Jena 17.1.1898.

Hochverehrte Gnädige Frau!

Für Ihren freundlichen Brief, wie für Ihre gütige Theilnahme an unserem Ergehen sagen meine Frau und ich Ihnen unseren herzlichen Dank!

Heute erlaube ich mir, Ihnen eine kurze Mittheilung zu machen, betreffend Herrn Dr. Gille, dem alten, – jetzt 84-jährigen – Kunst-Maecen von Jena, dem unsere Stadt und Universität seit 60 Jahren ihre besten und meisten Kunst-Genüsse verdankt. ||

Derselbe besuchte mich heute, um mir mitzutheilen, daß er in 6 Wochen (am 28. Februar d. J.) ein „ganz besonderes“ Jubilaeum feiere (– „in seiner Art einzig!“ – wie er sagte). An diesem Tage werden es 60 Jahre, daß er Vorstand der hiesigen academischen Concert-Commission ist, und zugleich 40 Jahre, daß er als Vorstand des „Allgemeinen Deutschen Musik-Vereins“ unermüdlich und erfolgreich thätig ist. ||

Es würde den alten Herrn (– der am 5. October 1813 geboren ist –) hoch erfreuen, wenn Ihr Durchlauchtigster Herr Gemahl die Güte haben wollte, demselben bei dieser seltenen Gelegenheit ein Zeichen Seiner freundlichen Theilnahme zu gewähren. Wie ich höre, werden dem Jubilar, der noch sehr rüstig und von regstem Kunst-Interesse erfüllt ist, auch von anderer Seite Ehrungen zugedacht. ||

Meine Frau, deren Gesundheit sich jetzt langsam bessert, bittet mich, Ihnen und Seiner Hoheit dem Herrn Herzog ihren verehrungsvollen Gruß zu entrichten. Indem ich mich demselben anschließe, bleibe ich dankbarst

Ihr ergebenster

Ernst Haeckel.

P. S. Einer Antwort auf diese bescheidene Anregung bedarf es nicht!

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
17-01-1898
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Thür. Staatsarchiv Meiningen
Signatur
Hausarchiv, NL Helene von Heldburg, Nr. 1331
ID
40058