Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Georg II., Herzog von Sachsen-Meiningen, Jena, 30. März 1896

Jena | 30.3.1896.

Durchlauchtigster Herr Herzog!

Zu der hocherfreulichen Jubelfeier, welche Eure Hoheit mit der glücklichen Vollendung des siebenzigsten Lebensjahres begehen, erlaube ich mir Ihnen meine herzlichsten und aufrichtigsten Glückwünsche zu senden!

Hoffentlich hält das vollkommene Wohlbefinden, dessen Sie und Ihre hochverehrte Frau Gemahlin sich jetzt erfreuen, in dem neuen Lebensjahr ununterbrochen und ungetrübt an! ||

Wenn die lebenerweckende Frühlingssonne in Italien während der letzten Wochen eben so warm geleuchtet hat, wie es hier in unserem lieben Thüringen der Fall war, werden Sie jetzt in dem herrlichen Amalfi köstliche Wochen verleben. Die letzte März-Hälfte war hier in Jena so ungewöhnlich warm, daß wir zu heizen aufhörten und nachmittags bei 15−18° R im Garten sitzen konnten. Nicht allein Veilchen, Crocus und Scilla sind in voller Blüte, sondern noch manche andere Blumen, die sonst erst im Mai sich zu öffnen pflegen. ||

Unsere Absicht, den April an der Riviera zuzubringen, haben wir leider aufgeben müssen, da die Besserung meiner Frau nur sehr langsam fortschreitet; sie hat fast den ganzen Winter – wegen der Folgen einer schweren Influenza – im Zimmer bleiben müssen. Doch hoffen wir nun bald auf völlige Genesung.

Den freundlichen Gruß Ihrer hochverehrten Frau Gemahlin, welchen dieselbe den zurückgesandten Büchern beigefügt hatte, erwidere ich ehrerbietigst.

Mit den besten Wünschen

in aufrichtiger Verehrung

Ihr treu ergebener

Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
30-03-1896
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Thür. Staatsarchiv Meiningen
Signatur
Hausarchiv, NL Helene von Heldburg, Nr. 1331
ID
40055