Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Helene Freifrau von Heldburg, Jena, 29. Mai 1910

Jena 29. Mai 1910.

Hochverehrte Gnädigste Frau!

Zu Ihrem bevorstehenden Geburtstage gestatte ich mir Ihnen meine herzlichsten und aufrichtigsten Glückwünsche zu senden. Hoffentlich können Sie das schöne Frühlingswetter in vollkommener Gesundheit und Frische genießen, und sind die schmerzhaften Folgen Ihres Unfalles auf Cap Martin glücklich beseitigt. Gleichzeitig erlaube ich mir Ihnen das versprochene Buch: „Streifzüge an der Riviera“ zu übersenden, in welchem ein früherer Kollege Professor Strasburger (vor 44 Jahren mein Schüler in Jena) die Naturschönheiten dieses herrlichen Mittelmeer-Strandes trefflich geschildert hat. ||

Nachdem ich die Ehre hatte, Sie und Ihren Durchlauchtigsten Herrn Gemahl auf Cap Martin (am 12. April) begrüßen zu dürfen, habe ich noch einige schöne Wochen in Menton-Garavan verlebt, eine wohlthuende Erholung nach der interessanten, aber auch sehr anstrengenden Festwoche in Monaco.

Dann habe ich noch eine sehr lohnende Tour in das Esterel-Gebirge gemacht, den westlichsten, mir bis dahin noch unbekannten Teil der Riviera; eine Porphyr-Insel mit malerischen roten Felsen-Kuppen, deren dichten Waldbestand (immergrüne Eichen, Korkeichen und Strandkiefern) die Französische Regierung unversehrt erhält. ||

Auf der Rückreise durch Tyrol lernte ich noch die schöne neue Zahnradbahn kennen, welche von Botzen in 1½ Stunden steil hinauf führt nach Klobenstein, mit prachtvollem Blick auf die Dolomiten-Gebirge des Schlern, Rosengarten u. s. w. Auf dem Brenner lag noch tiefer Schnee und in Innsbruck sah es ganz winterlich aus.

Indem ich Sie bitte, Seiner Hoheit dem Herrn Herzog meine ehrerbietigsten Grüße, sowie den Ausdruck herzlichen Dankes für die freundliche Aufnahme auf Cap Martin zu übermitteln, bleibe ich – mit besten Wünschen für Sie Beide –

in aufrichtigster Verehrung

Ihr dankbar ergebener

Ernst Haeckel. ||

[Beilage: Porträtpostkarte mit Widmung:]

(October 1909)

Ernst Haeckel

in der Kastanien-Grotte seiner

„Villa Medusa“ (Jena). ||

An die Gnädigste Frau

Baronin

Helene von Heldburg

Meiningen

Jena 30. Mai 1910

Ehrerbietigste Glückwünsche zum Geburtstage,

von dem alten Schulmeister der Phylogenie in Jena,

Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
30-05-1910
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Thür. Staatsarchiv Meiningen
Signatur
Hausarchiv, NL Helene von Heldburg, Nr. 87
ID
40047