Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Helene Freifrau von Heldburg, Jena, 30. Dezember 1909

Jena 30. Dezember 1909.

Hochverehrte gnädige Frau!

Als Sie im letzten Sommer das Fest Ihres Siebenzigsten Geburtstags feierten, war ich zu meinem großen Bedauern durch längere Krankheit verhindert, Ihnen meinen aufrichtigen Glückwunsch auszusprechen. Gestatten Sie gütigst, daß ich diese Versäumnis jetzt nachhole und zugleich meine besten Wünsche für den bevorstehenden Jahreswechsel ausspreche. Hoffentlich bleiben Sie im neuen Jahre 1910 von jeder Krankheit verschont und erfreuen Sich in voller Frische des vielen Schönen und Guten, was unsere Mutter Erde trotz aller Mängel dem empfänglichen Gemüte doch immer bietet! In aufrichtiger Verehrung

Ihr dankbar ergebener

Ernst Haeckel. ||

[Beilage: gedrucktes Rundschreiben]

Phyletisches Museum in Jena.

Zahlreiche Anfragen, betreffend den Besuch des neuen Phyletischen Museums in Jena, veranlassen mich zu folgender Mitteilung. Das Gebäude des Museums (Neugasse 22), welches innerhalb Jahresfrist fertig gestellt wurde, ist zwar am 30. Juli 1908 der Universität Jena – bei Gelegenheit ihrer 350 jährigen Jubelfeier – als Eigentum übergeben worden; es ist aber noch so feucht, dass die innere Ausstattung und das Einräumen der wertvollen Sammlungen erst im nächsten Frühjahr beginnen kann. Voraussichtlich wird diese umfangreiche Arbeit noch das ganze nächste Jahr in Anspruch nehmen, so dass die Oeffnung der Schausammlungen für das Publikum erst im Frühjahr 1910 stattfinden kann.

Die Geldmittel für den Bau und die Ausstattung des Museums sind lediglich durch freiwillige Beiträge meiner Schüler und Freunde, sowie durch hochherzige Gaben von begüterten Anhängern der Entwickelungslehre gesammelt worden. Weitere Gaben dafür nimmt dauernd das „Rentamt der Universität Jena“ entgegen, das darüber zu quittieren amtlich ermächtigt ist, Von den Erträgen dieser fortgesetzten Sammlung wird es abhängen, ob dieses „Erste Museum für Entwickelungslehre“ in vollem Maße das hohe Ziel erreichen wird, welches mir bei seiner Gründung im Beginne des Jahres 1907 vor Augen stand, die Schaffung einer öffentlichen Bildungsstätte für wahre Natur-Erkenntnis, eines Tempels für den Kultus des Wahren, Guten und Schönen.

JENA, 18. August 1908.

ERNST HAECKEL.

[Beilage: Porträtpostkarte von Ernst Haeckel mit Widmung:]

Der

Gnädigen Frau Baronin

Helene von Heldburg

etc. etc. etc.

Meiningen.

Jena 31. Dezember 1909.

Aufrichtige Glückwünsche zum Neuen Jahre 1910 sendet ergebenst

Ernst Haeckel

(− Aus der Kastanien-Grotte der Villa Medusa −).

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
30-12-1909
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Thür. Staatsarchiv Meiningen
Signatur
Hausarchiv, NL Helene von Heldburg, Nr. 87
ID
40044