Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Helene Freifrau von Heldburg, Rapallo, 16. Februar 1904

Aus Anlass meines siebzigsten Geburtstages sind mir heute sowohl aus dem Deutschen Vaterlande, wie vom Auslande, überaus zahlreiche Zeichen herzlicher und aufrichtiger Theilnahme zugegangen. Briefe und Telegramme, Bilder und Festschriften, Blumenspenden und andere Geschenke haben mich aufʼs Neue davon überzeugt, dass meine wissenschaftliche Lebensarbeit und Lehrtätigkeit nicht ohne Erfolg geblieben ist.

Diese wohlthuende Theilnahme so vieler und trefflicher Menschen nimmt mir einen Theil des drückenden Gefühles, das am Abend eines langen, vielbewegten und arbeitsfreudigen Lebens das Missverhältniss zwischen dem Erstrebten und dem Erreichten hervorruft.

Es ist mir das Glück zu Theil geworden, in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts eine der interessantesten Perioden in der Geschichte der Wissenschaft mitzuerleben und nach Kräften mich an deren Förderung zu betheiligen. ||

Vielen ausgezeichneten Männern, Lehrern und Schülern, bin ich dabei nahe getreten und zu Danke verpflichtet worden. Zu meinem aufrichtigen Bedauern ist es mir nicht möglich, diesen schätzbaren Mitarbeitern, sowie Allen die mich heute durch ihre Glückwünsche und Gaben erfreut haben, meinen Dank einzeln auszusprechen.

Ich bitte Sie daher, in diesen Zeilen den Ausdruck meiner herzlichen und bleibenden Dankbarkeit entgegen zu nehmen.

Ernst Haeckel.

Rapallo (Riviera di Levante)

16. Februar 1904

An die Gnädige Frau

Baronin Helene von Heldburg

Cap Martin

(Menton)

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
16-02-1904
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Cap Martin
Besitzende Institution
Thür. Staatsarchiv Meiningen
Signatur
Hausarchiv, NL Helene von Heldburg, Nr. 87
ID
40037