Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Helene Freifrau von Heldburg, Jena, 26. Juni 1889

Jena, 26. Juni 1889.

Hochverehrte gnädige Frau!

Soeben erst erfahre ich durch Herrn Staatsrath Eggeling Ihre Adresse in der Schweiz, und beeile mich nun, Ihnen und Ihrem hochverehrten Herrn Gemahl meinen verbindlichsten Dank für das werthvolle und sehr willkommene Geschenk zu sagen, durch welches Sie mich erfreut haben. Das transportable Aquarium lavatorium ist höchst praktisch und wird mir auf meinen Reisen ein treuer Begleiter sein. ||

Hoffentlich werden Sie an dem schönen Vierwaldstättersee ebenso herrliches Sommerwetter genießen, als wir hier in unserem lieben Thüringen. Ich habe den Thüringer Wald noch niemals so üppig grün und frisch gesehen, wie in diesem unvergleichlichen Mai und Juni. Die Pfingstwoche, welche ich in dem einsamen und stillen oberen Saalthal zubrachte (Burgk, Saalburg, Lobenstein, Saalfeld) war entzückend schön. ||

Meine Adresse an das Giordano-Bruno-Comité welche ich mir erlaubt hatte Ihnen zu schicken, hat eine ungeahnte Wirkung gehabt, ganz außer Verhältniß zu ihrem unbedeutenden Inhalt. Ich werde mir gestatten, Ihnen später die humorvolle Geschichte dieses monistischen Actenstücks zu erzählen. Zu meiner großen Freude ist die Bruno-Feier in Rom am Pfingstsonntage ganz herrlich verlaufen. ||

Indem ich Sie freundlichst bitte, Seiner Hoheit dem Herrn Herzog meinen ehrerbietigsten Gruß, unter Wiederholung meines besten Dankes auszusprechen, bleibe ich in vorzüglicher Verehrung

Ihr aufrichtigst ergebener

Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
26-06-1889
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Thür. Staatsarchiv Meiningen
Signatur
Hausarchiv, NL Helene von Heldburg, Nr. 87
ID
39995