Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Helene Freifrau von Heldburg, Jena, 30. Oktober 1889

Jena, 30. Oct. 1889.

Hochverehrte gnädige Frau!

Für Ihren überaus freundlichen Brief und die gütige Aufnahme meiner „Natürlichen Schöpfungsgeschichte“ sage ich Ihnen meinen herzlichsten Dank; nicht minder für Ihr Bemühen, mir eine bessere Meinung von Ihrem besonderen philosophischen Freunde F. Bacon anzueignen. Ich möchte Sie jedoch bitten, mich bezüglich des Letzteren nicht mißzuverstehen! ||

Die hohen Verdienste, welche sich Bacon durch Begründung der inductiven Methode erworben, erkenne ich mit den anderen Naturforschern dankbarst an; wir glauben aber, daß er anderseits durch seine Charakter-Schwäche und sein Eingehen auf den Mysticismus der sonst von ihm so sehr geförderten Naturforschung nicht wenig geschadet hat. ||

Bacon’s Life and letters von Spedding, die Sie mir gütigst zur Durchsicht schicken wollen, werde ich sehr gern lesen, sobald ich Zeit dazu finde. Da diese jedoch augenblicklich (– d. h. für die nächsten Monate –) sehr knapp ist und mich schwerlich zur Lectüre kommen lassen wird, möchte ich Sie bitten, mir das Werk (– falls es noch nicht abgeschickt ist –) erst später zu senden.

Indem ich Sie freundlichst bitte, Seiner Hoheit, dem Herrn Herzog, meinen ehrerbietigsten Gruß zu entrichten, bleibe ich mit wiederholtem herzlichen Danke (– und mit den angenehmsten Erinnerungen an den Besuch auf der herrlichen Heldburg –)

Ihr aufrichtig ergebener

Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
30-10-1889
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Thür. Staatsarchiv Meiningen
Signatur
Hausarchiv, NL Helene von Heldburg, Nr. 87
ID
39988