Jena 24. Februar 1916.
Hochverehrte Gnädige Frau!
Für den freundlichen telegraphischen Glückwunsch, durch den Sie mich an meinem 82.sten Geburtstage erfreuten, sage ich Ihnen meinen herzlichsten Dank! Er hat mich lebhaft an die ehrenvolle Teilnahme erinnert, welche in früheren Jahren Ihr unvergeßlicher Herr Gemahl mir an diesem Gedenktage schenkte, und an die glücklichen Stunden, welche ich mit Ihnen Beiden in Altenstein, Heldburg und Meiningen zu verleben die Ehre hatte. Wie weit hinter uns liegen jetzt diese erinnerungsreichen Friedenstage im Gewühle des Weltkrieges! ||
Seit dem Verluste meiner lieben Frau, vor 10 Monaten, lebe ich hier jetzt ganz zurückgezogen; doch erfreue ich mich einer sehr lieben Hausgenossin an meiner ältesten Enkelin, Else Meyer (jetzt 21 Jahre) die sehr begabt ist und meine Interessen für Natur und Kunst, Wissenschaft und Poesie lebhaft teilt.
Das beiliegende, kürzlich erschienene Album, mit 25 Ansichten von Jena (von Photograph Bischoff, zum Teil originell) bitte ich als Erinnerung an Ihren hiesigen Besuch freundlich anzunehmen.
Am 2. April werde ich Ihrer und Ihres verewigten Gemahls mit besonderer Dankbarkeit treulichst gedenken!
Mit besten Wünschen für Ihr Wohlergehen in aufrichtiger Verehrung
Ihr treu ergebener
Ernst Haeckel. ||
[Gedrucktes Dankschreiben mit Widmung:]
An meinem 82.a Geburtstage bin ich durch zahlreiche Glückwünsche und freundliche Gaben hocherfreut worden. Da ich zu meinem Bedauern außer Stande bin, allen Freinden und Gesinnungsgenossen einzeln meinen herzlichen Dank auszusprechen, bitte ich Sie, ihn in diesen Zeilen entgegen nehmen zu wollen.
Jena, 26. Februar 1916.
Ernst Haeckel. ||
Jena 16.2.1916.
„Was ich besitze, seh‘ ich wie im Weiten,
Was ich verlor, wird mir zu Wirklichkeiten!“
Der gnädigen Frau Baronin
Helene von Heldburg
(Meiningen)
Verehrungsvoll
Ernst Haeckel.
a eingef.: 82.