Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Helene Freifrau von Heldburg, Jena, 29. November 1892

Jena, den 29. Novbr 1892.

Hochverehrte Gnädige Frau!

So eben lese ich in der Zeitung daß Sie mit Ihrem Durchlauchtigsten Herrn Gemahl schon in den nächsten Tagen nach der Riviera abreisen werden, um den Winter an den herrlichen Gestaden des blauen Mittelmeeres zuzubringen. Gestatten Sie mir, Ihnen für diese schöne Reise die ergebensten Glückwünsche und zugleich ein paar litterarische Kleinigkeiten zu senden, die Sie vielleicht in einer müßigen Reisestunde eines Einblicks würdigen. ||

Mit aufrichtigster Theilnahme habe ich während des letzten Halbjahres theils durch die Zeitungen, theils durch die mündlichen Mittheilungen des Herrn Geheimen Staatsraths Eggeling von den mehrfachen und langwierigen Erkrankungen gehört, von denen sowohl Sie selbst als der Herr Herzog zu leiden hatten. Hoffentlich sind Sie Beide jetzt ganz wiederhergestellt und können den entzückenden Winter-Aufenthalt an der Riviera ganz ungetrübt und froh genießen. ||

Schon wiederholt hatte ich im Laufe des Sommers die Absicht, Ihnen meine Theilnahme auszudrücken; aber die Befürchtung, zudringlich zu erscheinen, hielt mich zurück. Das Sommer-Semester benutzte ich zur Fortsetzung meiner „Plankton-Studien“ und ging im August zur Förderung derselben nach Schottland. Ich fischte dort in den Fjorden des Clyde und der Insel Skye, und brachte eine hübsche Sammlung von Seethieren nach Jena zurück.

Indem ich Sie bitte, Seiner Hoheit dem Herrn Herzog meinen ehrerbietigsten Gruß zu entrichten, bleibe ich mit besten Wünschen für Sie Beide Ihr hochachtungsvollst ergebener

Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
29-11-1892
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Thür. Staatsarchiv Meiningen
Signatur
Hausarchiv, NL Helene von Heldburg, Nr. 87
ID
39952