Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Helene Freifrau von Heldburg, Jena, 8. Juli 1897

Jena 8. Juli 1897.

Hochverehrte Gnädige Frau!

Die Nachricht, daß Sie und Ihr Durchlauchtigster Herr Gemahl uns nächsten Montag mit Ihrem Besuche beehren wollen, hat meine Frau und mich mit hoher Freude erfüllt. Wir bitten Sie freundlichst, ein bescheidenes Frühstück in unserer Wohnung einnehmen zu wollen. Wenn es Ihnen genehm ist, werden wir Herrn Geh. Staatsrath Eggeling und Frau Gemahlin dazu einladen. Wünschen Sie noch andere Gäste? Vielleicht Herrn Staatsanwalt Lommer? ||

Selbstverständlich bin ich den ganzen Tag zu Ihrer Disposition und werde Sie um 10 Uhr 29 m. am Weimar. Bahnhofe (oder um 10 Uhr 24 m. an Haltestelle Paradies?) erwarten. Letztere ist von unserer Wohnung, und auch vom Zoologischen Institut, nur 2 Minuten entfernt, der Weimar. Bahnhof etwa 5 Minuten. Sie könnten dann vielleicht zunächst im Institut die schönen neuen Sammlungen ansehen (von Prof. Semon aus Australien, von Prof. Kükenthal von den Molukken). Dann könnten wir unser Gabelfrühstück (11½) – oder 12 Uhr? −a einnehmen und eine Spazierfahrt unternehmen, mit Herrn Lommer. ||

Für Letztere wäre es allerdings sehr wünschenswerth, daß Sie nicht schon um 4 Uhr 47 m., sondern um 6 Uhr 24 m. weiter führen. Wir könnten dann in aller Gemächlichkeit die schöne Fahrt auf den „Forst“ machen (½ St.), und von dort auf unseren herrlichsten Aussichtspunkt, die „Ammerbacher Platte“ (¼ St.). Diese liegt bereits auf Meininger Gebiet, oberhalb Lichtenhain, und Seine Hoheit der Herr Herzog würde dort einen Blick in einen der meist romantischen Theile seines Gebietes thun. ||

Indessen sind das nur vorläufige, ganz unmaßgebliche Vorschläge für unser Montags-Programm, und ich bitte Seine Hoheit den Herrn Herzog, dasselbe ganz nach seinem Wunsche zu gestalten. Zunächst bitte ich Sie nur freundlichst, mir mit ein paar Worten zu melden, um welche Stunde Sie bei uns das Lunch einzunehmen wünschen, und in welcher Gesellschaft? Ich werde dann die Herrn Eggeling und Lommer von Ihrer Ankunft benachrichtigen.

In aufrichtiger Verehrung und in Hoffnung auf ein recht frohes Wiedersehen

Ihr ergebenster

Ernst Haeckel.

a eingef.: – oder 12 Uhr? −

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
08-07-1897
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Thür. Staatsarchiv Meiningen
Signatur
Hausarchiv, NL Helene von Heldburg, Nr. 87
ID
39931