Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Carl Gottlob Haeckel, Messina, 11. November 1859

Messina. 11.11.59.

Mein lieber, lieber Vater!

Ein recht frisches und volles Glückauf aus ganzem Herzen sende ich Dir aus meinem Winterquartier im fernen Süden zu Deinem 79sten Geburtstag und wünsche mit der ganzen Innigkeit einer warmen, liebenden Kindesseele, daß Du auch dieses neue Lebensjahr in der alten Frische und Rüstigkeit, Gesundheit und Kraft verbringst, und uns als wirklich jugendlicher Greis noch lange Jahre so erhalten bleibst. Wenn Du mir auch in Deinem letzten Briefe schreibst, daß Du die Schwächen und Beschwerden des Greisenalters jetzt mehr als je fühlst, so kann ich das doch nicht recht glauben, da derselbe Brief durch die alte lebendige Frische und das rege Interesse, das sich darin noch für Wissenschaft und Fortschritt, Vaterland und Freiheit regt, jene Klagen Lügen straft und mir meinen lieben Alten ganz in jener jugendlichen Lebendigkeit zeigt, mit der er sich vorm Jahr darüber beschwerte, daß ein Freund (ich glaube Simon) ihn im Geburtstagsbrief „Greis“ titulirt hatte! (N. B. Wenn ich dies heute ebenfalls thue, so bin ich rein als Naturforscher dazu berechtigt, da die Anthropologie das Greisenalter schon mit 75 oder gar 70 beginnen läßt!) In dieser Geistesfrische, die die Zahl der Jahre und die zunehmende Steifigkeit der Bewegungsorgane nicht achtet und die Dir die hohen Jahre, die Andern nur eine Last sind, gewiß noch lieb und lebenswerth macht, mögst Du als kräftiges Familienhaupt noch lange der Stolz und die Freude Deiner Kinder und Enkel bleiben. Dieses jugendliche Greisenalter der schöne Herbst und Winter des Lebens ist auch ein recht characteristischer Vorzug unserer nordisch-germanischen Volksstämme, die dem romanischen Südländer, der zwar früher aufblüht, aber auch nur um so rascher verwelkt, eben so unbekannt ist, wie unser nordischer Winter, dessen große Schönheiten und Vorzüge ich, wie so viele andere, auch erst hier im Süden, in der Entbehrung habe schätzen lernen. Das Stückchen Weltgeschichte, das eben im Abwickeln begriffen ist, scheint mir auch schon interessant genug || um noch ein Dutzend Jahre sich das Leben mit anzusehen und für Dich ins besondere muß es sehr anziehend sein, die allmähliche, wenn auch langsame, doch stetige Entwicklung unseres deutschen politischen Lebens in seinem jugendlichen Liberalismus, für dessen Erweckung Du selbst Dein ganzes Leben gestritten und gekämpft hast, zu verfolgen und zu beobachten. So viel ich hier aus den dürftigen Notizen, die die spärlichen Zeitungsnachrichten (leider liest man auch hier fast nur die abscheuliche Allgemeine Augsburger Zeitung) herüberbringen, abnehmen kann, scheint mir die neue deutsche Einheitsbewegung, deren Ausdruck das Eisenacher Programm ist, doch von großer Bedeutung und ich nehme um so mehr daran Antheil, als durch den Verkehr mit dem trefflichen Allmers, der auch in dieser Beziehung ein ganzer deutscher Mann ist, mein patriotisches Interesse für ein freies und einiges Deutschland, das von der Herrschaft der Junker und Pfaffen, der Raubritter und Duodezfürsten befreit ist, zu warmer Begeisterung angefacht ist. Noch als wir schieden, sprachen wir es gegenseitig als lebhaften Wunsch aus, für diesen hohen heiligen Zweck dereinst gemeinsam in brüderlicher Treue zu kämpfen und zu arbeiten, seitdem spinne ich den Gedanken täglich mit einer Vorliebe aus, die früher mir ganz unbekannt war. Je mehr ich einsehe, wie die rein wissenschaftliche Thätigkeit, der ich früher Alles aufopfern wollte, wenn auch schließlich zu gewaltigen Endresultaten, doch für den Einzelarbeiter nicht unmittelbar gewöhnlich zu Effecten führt, die dem augenblicklichen Ganzen der lebenden Gegenwart genügen, je mehr ich sehe, wie namentlich die Arbeiten unsers Specialfaches mehr für eine künftige Nachwelt vorarbeiten, die, auf unsern Schultern stehend, Gewaltiges leisten wird, um so lebhafter fühle ich in mir den Wunsch sich regen, auch für das Allgemeine Ganze der jetzt lebenden Generation, ins besondere für unser geliebtes Deutschland, täglich mitzuarbeiten und um so mehr suche ich mir leitende Grundsätze hierfür zu bilden und zu kräftigen. || Da bilde ich dann besonders einen Gedanken jetzt mit Vorliebe aus, der mir früher, obwohl er so nahe lag, ganz verschlossen war, das ist nämlich, wie ich als Lehrer der akademischen Jugend künftig für diesen Zweck mehr thätig sein und mehr leisten kann, als vielleicht vielen anderen strebsamern Geistern durch ihre Stellung vergönnt ist. Früherhin faßte ich auch diese meine künftige Lebensstellung, ebenso wie das übrige Leben, rein von der abstract wissenschaftlichen Seite auf; jetzt habe ich die concreten Bedürfnisse des realen Menschenlebens, die Aufgabe, die jedem Menschen in dieser Beziehung gestellt ist, genau genug aus eigner Anschauung ins besondere meiner Wanderjahre, kennen gelernt, um auch diesen Anforderungen gerecht zu werden. Ich habe es selbst durch den langjährigen Unterricht und a noch mehr fast durch den intimen persönlichen Verkehr meinem großen Lehrer und Meister J. Mueller und Virchow, Bruecke und Ludwig, Koelliker und Gegenbaur, kennen und erfahren gelernt, was der akademische Lehrer in dieser Beziehung zu leisten vermag, und wie er die Begeisterung für das Schöne und Gute, die Freude am Wahren und Edlen, das Streben nach Großem und Erhabenem in den noch unentwickelten jugendlichen Gemüthern zu wecken und zu beleben im Stande ist, wie er durch diese allgemeine Ausbildung der Jugend dem Staate, dem Vaterlande, dem Großen Ganzen mehr noch als durch die specialwissenschaftliche nützen und aufhelfen kann. Das haben die reactionären Regierungen der deutschen Einzelnen Kleinstaaten recht wohl begriffen, als sie die fähigsten Lehrer, weil sie durch ihr liberales Streben einen wahrhaft bildenden und veredelnden Einfluß auf die akademische Jugend ausübten, von ihrer Universitäten, Göttingen, Heidelberg, Bonn etc entfernten und nur die kurzsichtige Habsburger Regierung scheint das ganz vergessen zu haben, als sie durch Berufung der freisinnigsten Lehrer, Bruecke und Ludwig, nach Wien, ihren eigenen reactionären Concordatsbestrebungen ins Gesicht schlug und ihrem Pfaffenheer im eigenen Lager den gefährlichsten Feind festsetzte, der nur still und geräuschlos, aber nur um so mächtiger und furchtbarer in den Herzen der Jugend den Sinn für Recht, Wahrheit und Freiheit weckt und allen Dunkelwirthschaften tödtlichen Kampf predigt. || Doppelt schön und doppelt fruchtbar ist dieser Beruf des akademischen Lehrers aber, wenn er zugleich Naturforscher ist, weil ihm in seiner Wissenschaft eine Waffe in die Hand gegeben ist, mit der er alle andern über den Haufen wirft. Die Wahrheit kann einmal nur Eine sein und diese Eine findet sich nur in der Natur, mag man nun den letzten Grund der Naturerscheinungen als Gott, Weltgeist, Gesammtheit der Naturkräfte etc bezeichnen. Nichts aber glaube ich, wirkt so bildend und veredelnd auf den jugendlichen Geist, als das Streben, dieser Wahrheit nachzugehen und immer weiter und weiter ihren Spuren nachzujagen, je mehr sie sich in ihren letzten Consequenzen dem Blick entzieht. Die Erkenntniß des Weltganzen und die Bekanntschaft mit seinen Wundern im Allereinzelnsten und Kleinsten, die Freude am Naturschönen in allen verschiedenen Richtungen, für welches durch diese Studien der Blick je länger, je mehr geschärft wird, sind nach meiner Ansicht das einfachste, schönste, mächtigste Bildungsmittel, vor allem aber auch das Brauchbarste in der Jetztzeit, da der Einfluß, den die praktischen Zweige der Naturwissenschaften, die Chemie, Physik, Mechanik, Technik, Geologie, Geographie etc auf das tägliche Leben ausüben, tagtäglich im Wachsen ist. Und dabei wächst das Riesengebäude der Wissenschaft selbst täglich so colossal, b zu so staunenswerther Höhe, daß es alle nur halbwegs seiner Betrachtung geöffneten jugendlichen Geiste unwiderstehlich nicht bloß zu passiver Bewunderung, sondern auch zu activem Mitarbeiten mit sich fortreißen muß. Nichts wirkt aber zugleich so allen Vorurtheilen entgegen als die einfache Naturerkenntniß und in dieser Beziehung ist wohl namentlich Großes von ihr für das deutsche Volk zu hoffen, dessen politische Unmündigkeit gewiß größtentheils mit dadurch bedingt wird, daß es sich von der großen Masse angeerbter Vorurtheile, besonders von seinem Bauen auf Autoritätsprincipien, z. Thl. allerdings aus sehr achtungswerther Pietaet oder reinster Gutmüthigkeit, so schwer los machen kann. || Du siehst aus diesen Erörterungen vielleicht, lieber Vater, daß ich meinen künftigen Beruf als Professor der Naturwissenschaft nicht mehr bloß von dem Standpunkt des speciellen Fachmenschen, wie früher betrachte, und Du wirst daraus zugleich ersehen, wie meine patriotischen Gefühle, von denen Du früher, glaube ich, zu Deinem Schmerze so gut wie Nichts bemerken konntest, zu einer ganz ordentlichen Begeisterung für ein großes und glückliches, freies und einiges Deutschland, herangewachsen sind. Auch das ist eine Folge dieser Reise und der dadurch ungemein erweiterten Welt- und Lebens-anschauung. Ich würde jedem guten Deutschen, dem sein Vaterland ziemlich gleichgültig ist und den bloß über dessen Schwächen und Schattenseiten zu klagen weiß, rathen, ein Jahr in Italien zu reisen und sich dessen verschiedene Länder und Menschen, Völker und Regierungen, anzusehen, und ich bin fest überzeugt, wenn er ehrlich ist, und sich redlich Mühe gegeben hat, Beides, Natur und Volk gründlich kennen zu lernen, er wird mit Wonne und mit eingeborenem Interesse in das liebe deutsche Vaterland heimkehren, dessen unendliche Vorzüge man wirklich hier erst im vollen Umfange kennen und schätzen lernt. Wenn wir bei uns zu Hause über die Gesunkenheit und den Rückschritt, die Verweichlichung und Schwächung unseres Volkslebens klagen, so vergessen wir ganz den trefflichen gesunden Kern, der trotz alledem noch immer im deutschen Volke steckt und der dagegen den Italienern, wie den meisten romanischen Völkern, ganz abgeht. Diese könnte man viel eher und mit Recht für überlebt halten, als die germanischen, von deren fester, biederer Kernnatur gewiß noch eine bedeutende Entwicklung zu hoffen ist. Mir scheint allein schon die gediegene Unverdorbenheit unseres deutschen Familienlebens dafür zu bürgen; setzen doch die Familien den Staat zusammen und wo noch viel sittlicher Halt, soviel gemüthvolles Zusammenleben in der Familie herrscht, wie bei uns, da darf man gewiß auch noch auf eine weitere Blüthe und eine reichere Entwicklung des gesammten Volkes im Staate hoffen. || Von Alledem findet sich hier in Italien, und vor Allem in Unteritalien, keine Spur. Die systematische Demoralisationc, welche von der Regierung und ihren willigen Werkzeugen, den katholischen Pfaffen, beständig öffentlich und im Geheimen betrieben wird, hat auf das gesammte Volk so depremirend eingewirkt, alle Schichten der Gesellschaft von oben bis unten so durchdrungen und zersetzt, daß an ein Wiederemporarbeiten aus diesem Sumpfe ohne eine totale Umwälzung, ohne einen absoluten Wechsel der Regierung und Verwaltung, der Erziehung und Schulbildung gar nicht zu denken ist. Und wann sollte der wohl kommen? Wir haben nun auf unsern vielen Streifereien und verschiedenartigen Wanderungen Land und Leute im Königreich beider Sicilien hinreichend kennen gelernt um ein gerechtes Urtheil darüber zu fällen, um so mehr, als wir wohl mehr mit dem Volk in Berührung gekommen sind und seine Eigenthümlichkeiten kennen gelernt haben, als die meisten andern Reisenden, wenigstens die gewöhnlichen Touristen. Schon die beständige Nothwendigkeit, immer selbst für unser Fortkommen zu sorgen und unsere Reiseplänen [!] ebenso selbstständig zu verwirklichen, als zu entwerfen, hat mich mehr als gewöhnlich in den Volkscharacter eindringen lassen, wobei mir meine jetzt fast fertige Kenntniß der Sprache doppelt zu statten kam. Da Allmers weniger fertig sprach, als ich, auch als Poet, der immer halb im Himmel und nur halb auf der Erde lebt, noch weit unpractischer war, als ich, so fielen wir gleich vom ersten Tage unseres 4monatlichen Zusammenseins an alle Pflichten und Obliegenheiten des Reisemarschalls zu, die ich auch zu Allmers großer Zufriedenheit erfüllt habe. Dadurch hatte ich denn doppelt viel Gelegenheit, das Volk nach allen Dimensionen kennen zu lernen und in seine Eigenthümlichkeiten einzudringen. Aber je länger ich dies konnte, um so weniger wurde ich davon erbaut, und um so [mehr] erfüllte uns Widerwille gegen ein Volk, das in seiner Totalität so aller Sittlichkeit baar ist. Immerhin ist der Sicilianer noch ein gut Theil besser als der Neapolitaner, der wirklich der Auswurf der Menschheit ist. || Aber von irgend einem Gefühl für Sittlichkeit und Ehre, Wahrheit und Recht ist in Sicilien ebenso wenig als in Neapel die Rede und es braucht wirklich lange Zeit, ehe der Deutsche sich nur daran gewöhnen kann, die Verkehrs- und Lebensweise, die hier allgemein üblich ist, nichtd als eine außerordentliche Ausnahme anzusehen. Nicht das dieses verdorbene Volk allein im Verkehr mit den Fremden seine schlechten Seiten besonders zeigte (dies ist ja allenthalben der Fall und die viel mit Fremden verkehrenden Eingeborenen überall die schlimmsten). Nein grade so sind und handeln sie e unter sich. Von Ehrlichkeit und Treue, Vertrauen und Wahrheit ist nie zwischen 2 Neapoliten oder Sicilianern die Rede; und die besten Freunde belügen und betrügen, bestehlen und verläumden sich unter einander ebenso, wie sie gegen die Fremden sind. In der Familie fängt das Unglück an; keine Ehe ist heilig und rein, und die Kinder lernen schon von den Eltern früh die abscheulichsten Laster. Dann kommen sie bald aus dem Hause und werden schon im 8 oder 10ten Jahr den Pfaffen in die Hände gegeben, die sie in den Klöstern bis zur vollendeten Reife groß ziehen. Da lernen sie dann natürlich von Wissenschaften und Künsten gar Nichts, mit Ausnahme der Wissenschaft der katholischen Wundergeschichten und der Kunst gleißnerischer Heuchelei. Um so mehr aber werden sie darin geübt, ihr Äußeres auf Kosten des hohlen und leeren Innern auszuputzen und dieses Gewicht auf das rein Äußerliche bleibt dann durch das ganze Leben hindurch Grundzug des Characters. Kein Wunder, wenn da auch bei guter Anlage nur ein tieferes innerliches Streben zu Stande kömmt und wenn auch aus gutem Samen in der Sumpfluft der Klöster nur Giftpflanzen aufschießen. Kommt nun der reife Jüngling aus dem Kloster im 20sten Jahr auf die Universität (wo man auch Alles Andere eher als wirkliche Wissenschaft lehrt) so benutzt er zunächst die neue Freiheit dazu, um sich durch alle möglichen Ausschweifungen für den bisherigen Zwang zu entschädigen, und wird dann durch das treffliche Beispiel der Regierung und ihrer Beamten hinreichend demoralisirt, um ein ebenso gründlicher, ehrloser und unsittlicher Schuft zu werden, wie sein Vater, seine Freunde und seine ganze Umgebung. Wo soll da wohl gründliche Abhülfe und Besserung zu erwarten sein? Da haben wir dann doch an unserem deutschen Volke einen ganz andern Stamm, der es gewiß nie und nimmer zu diesem Grade der Entsittlichung kommen lassen wird; kommt sie uns doch fast unglaublich vor! || Ja, unser „Deutschland, Deutschland über Alles, über Alles auf der Welt!“ da singt unser Schenkendorf wohl mit Recht: „Segen Gottes auf den Feldern – in den Gärten reiche Frucht – Manneslust in grünen Wäldern – in den Hütten fromme Zucht. In der Brust ein tiefes Sehnen – ewger Freiheit Unterpfand. Liebe siegt in zarten Tönen – nirgends wie im deutschen Land! –“

Doch wohin bin ich gekommen mit meinem deutschen Sinn? Ich fürchte, wenn ich nun noch den Vorzügen unseres Volkes auch die des Landes preisen wollte, ich würde heut gar nicht fertig! Also nun nur noch ein paar Worte über eure lieben Briefe beste Eltern, die ich am Dienstag d. 8.11. zugleich mit dem letzten sehr lieben von Anna erhielt. Sie haben mich nach dem langen Schweigen von eurer Seite außerordentlich gefreut, ganz besonders durch die Nachricht von Deiner fortdauernden Besserung, liebste Mutter. Nun, bitte bitte, schone Dich aber recht ordentlich und laß Dir von meiner Anna alle Sorge im Hauswesen abnehmen. Das ist ja für sie zugleich die beste Vorschule für die künftige junge Haeckelsche Wirthschaft (in Jena?). Es freut mich recht, daß ihr f Lieben jetzt da so Alle beisammen seid! Wenn ich nur Abends täglich ¼ Stündchen dabei sein könnte! Nun das kleine Freienwalder Volk die Räume belebt, wird es den Großeltern doppelt gefallen!

– Ich kann euch hier von der letzten Woche Nichts Besonders berichten; es wird sich nun wohl überhaupt eine so gleichmäßig wie die andere abwickeln, d.h. I Studium II Studium III Studium. Von Zeichnen und Malen ist keine Rede mehr (d.h. von Landschaften nicht, um so mehr aber von Thieren). Das Arbeiten geht immer besser, das Material bleibt überreich. – Leider ist der Raum schon zu Ende. Ich muß also den Nachweis über die ökonomischen Verhältnisse das Nächte mal mitschicken. Grüßt alle Verwandte und Freunde herzlichst und seid aufs innigste umarmt von eurem treuen E.

P.S. Wie gern schickte ich Papa zum 22sten eine Flasche Syracuser! So kann ich ihn aber nur selbst darin leben lassen. ||

Ökonomisches für Vater.

Die fünfwöchentliche Reise durch Sicilien hat ungefähr 80 Piaster (100–110 rℓ) gekostet, ein Minimum, auf das sich schwerlich ein anderer Tourist herabschrauben lassen wird, da als der gewöhnliche mäßige Durchschnittspreis 3–5 Piaster (also statt 80 meist 100–170 Piaster) g pro Tag angenommen werden. Es ist nämlich Alles außerordentlich theuer und schlecht, besonders in dem ganz uncultivierten Innern. Am billigsten ist noch Palermo. Du wirst also hoffentlich mit meiner höchst ökonomischen Eintheilung zufrieden sein. || Allmers’ nach Palermo gerichteter Creditbrief ist durch ein Versehen seines römischer Banquiers nicht dort angekommen und habe ich ihm daher für die sicilische Reise und für die Rückreise nach Rom 400 frcs vorgestreckt, die er mir gegen Weihnacht von Bremen aus hierher anweisen lassen wird. Auch brauche ich jetzt für die zootomische Einrichtung etc ziemlich viel Geld, so daß Du nicht erschrecken darfst, lieber Vater, wenn auf einmal eine größere Summe, über 600 fr, hier aufgenommen sein wird.

a gestr.: d; b gestr.: daß; c korr. aus: Demorasisation; d eingef.: nicht; e gestr.: s; f gestr.: Al; g gestr.: ange

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
11-11-1859
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 39207
ID
39207