Haeckel, Ernst; Haeckel, Agnes

Ernst Haeckel an Emma Huschke, Eisenach, 21. August 1867, mit Nachschrift von Agnes Haeckel

Eisenach 21 August 67

Liebste Mutter Emma!

Obschon die Zeit jetzt so ungewöhnlich kostbar für uns Beide ist, daß wir uns nur schwer zum Briefschreiben entschließen, müssen wir Dir doch nach eben glücklich vollbrachtem ersten Frühstück einen recht herzlichen frohen Morgengruß senden, und Dir sagen, daß das glückselige junge Ehepaar seine erste Nacht ganz vortrefflich zugebracht hat. Unser Zimmerchen im Rautenkranz ist allerliebst, 3 Fenster auf den Markt hinaus, mit schönster Aussicht auf die Wartburg. Wir werden gleich jetzt auf letztere langsam und gemächlich hinaufsteigen. ||

Agnes ist außerordentlich munter und läßt sich trotz ihres Magens das Essen mit ihrem ausgezeichneten Herrn Gemahl vortrefflich schmecken. Schon auf der Fahrt wurde ihr viel besser und in der Nacht hat sie schöner als je geschlafen, so daß sie heut morgen ganz ausgelassen ist.

Ich bin dagegen natürlich ganz „Ernst“, weshalb ich auch so heiße! Um 3 Uhr heute Nachmittag fahren wir nach Coburg, wo wir um 7 Uhr ankommen und übernachten. Morgen von Coburg nach Nürnberg. Grüsse meine arme „stille Freundin“ herzlichst. Sie fühlt sich gewiß recht verlassen!! Dir selbst, liebste Mutter, die besten Grüsse von Deinem sehr sehr glücklichen Sohn Ernst.

[Nachschrift von Agnes Haeckel]

Liebstes Mamachen, nur noch rasch ein paar Zeilen von Deinem sehr sehr vergnügten Töchterchen, das bis jetzt einen wahren Engel zum Gatten hat und sich deshalb sehr wohl befindet! Mein Ernst ist rührend lieb und auch gar nicht so wild (??). Meine Zunge ist noch sehr schlecht, aber trotzdem schmeckte das Frühstück vortrefflich! Ade meine liebste Mutter es grüßt Dich und Euch alle Lieben in Jena

Eure unendlich glückliche

Agnes Häckel

geb. Huschke.

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
21-08-1867
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 39083
ID
39083