Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Charlotte Haeckel, Bergen, 4. September 1869

Bergen 4. Sept. 69.

Liebe Mutter!

Heute morgen wurde ich hier (nachdem ich gestern Abend von Brandesund zurückgekehrt war) durch Deinen lieben Brief erfreut, für den ich Dir herzlichst danke. Eurem Wunsche entsprechend werde ich nun am 17ten September (vielleicht sogar schon am 16.) in Berlin eintreffen, und somit an Carls Hochzeit gegenwärtig sein.

Nachdem ich bis vor 8 Tagen ganz vergeblich nach den erwünschten (resp. verwünschten!) Kalkschwämmen gesucht hatte, habe ich sie endlich am vorigen Montag in Brandesund glücklich gefunden, habe die letzte Woche von früh bis Abends sehr fleißig daran untersucht, und Alles, was ich an den lebenden Schwämmen sehen wollte, glücklich gesehen, auch meine ganzen Gläser mit Untersuchungs-Material reichlich gefüllt. In den nächsten Tagen beendige ich nun das Einpacken der Sammlung und bin Dienstag (7. Sept.) den letzten Tag hier. ||

Mittwoch (8. Sept) fahre ich hier früh um 7 Uhr mit dem Dampfschiff ab und treffe am Sonnabend in Hamburg ein. Von dort werde ich Euch gleich schreiben, so daß Ihr wohl Montag Nachricht von meiner glücklichen Rückkehr erhaltet. In Hamburg muß ich einige Tage bleiben, um die dortigen Sammlungen zu plündern, resp. nach Kalkschwämmen zu durchsuchen. Vielleicht gehe ich auch noch auf einen Tag nach Kiel. In Hamburg hoffe ich Briefe von Euch zu finden. Bitte schreibt mir unter der Adresse: Herrn Schilling , Conservator am zoologischen Museum in Hamburg.

– Ich bin wohl und munter. Die harten Strapatzen sind mir im Ganzen gut bekommen, nur habe ich viel an rheumatischem Zahnweh, (resp. Gesichts-Reißen) gelitten, bei dem miserablen Wetter kein Wunder. –

An Schwägerin Clara und Vater Herzlichste Grüße und besten Dank für ihre Briefe.

Auf frohes Wiedersehen

Dein Ernst.

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
04-09-1869
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 39024
ID
39024