Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Charlotte Haeckel, Jena, 27. November 1885

Jena 27. Nov 85

Liebste Mutter!

Heute athme ich nach 10 monatlicher Arbeit frei auf. Ich habe gestern den größten und schwierigsten Theil des Challenger-Radiolarien-Manuscripts nach Edinburgh geschickt, 5 Kilo netto!! Seit Neujahr habe ich daran geschrieben, nur den kurzen Ferien-Monat ausgenommen. Dieser Abschnitt war der schwierigste des ganzen Werkes! || Nun habe ich nur noch das letzte Viertel zu schreiben und hoffe bis Ostern fertig zu werden. Dieser Theil ist leichter und interessanter. Den Sommer will ich mich recht erholen! und malen!

– Unser Winter-Semester ist mäßig. Ich habe qualitativ und quantitativ schlechteren Collegien-Besuch als seit vielen Jahren, ebenso die andren Naturforscher. Ebbe in academ. Freuden! Um so besser für meine Arbeit. Der erste Band ist jetzt fertig gedruckt, 111 Bogen Quart! ||

Agnes geht seit einigen Tagen wieder aus. Sie hat sich diesmal langsam erholt. Die Kinder sind munter. Sonst ist hier viel Krankheit, und sehr schroffer Witterungs-Wechsel. Heute hatten wir im Schatten +10°R Wärme, vor 4 Tagen –10°R Kälte!

– Hoffentlich gehts Dir gut, leibste Mutter! Laß Dich ordentlich pflegen und gut füttern!! Hörst Du?

Mit herzlichsten Grüßen

Dein treuer Ernst

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Datierung
27-11-1885
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Potsdam
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 38939
ID
38939