Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Charlotte Haeckel, Jena, 26. Dezember 1883

Jena 26. Decb 83

Liebste Mutter!

Heute sende ich Dir nur in Eile einen herzlichsten Gruß und Dank für Deine liebevolle Weihnachts-Bescheerung. In den nächsten Tagen schreibe ich Dir mit Agnes ausführlicher! Unser Weihnachtsfest – resp. der Aufbau in meiner Stube – war sehr hübsch, die Kinder glückselig. Eine große Weihnachtsüberraschung für mich erschien am selben Tage. Der Graf Bose (in Frankfurt a/M), dessen verstorbene Frau kürzlich der Universität Jena ein Legat von 800,000 Mk vermacht hat, hat auf eine ihm zustehende Jahresrente von 2,800 Mk || zu Gunsten unserer Universität verzichtet, mit der ausdrückl. Bestimmung, daß „davon 1800 Mk jährlich dem Professor Haeckel zu beliebiger Verfügung für wissenschaftliche Zwecke gegeben werden“! Du kannst denken, welches Aufsehen das in Jena macht!! Nur schade, daß der brave alte Herr schon 70 Jahre alt ist, also das schöne Vergnügen wohl nicht lange dauern wird! Wie ich dazu komme, ahne ich nicht! Sein Mandatar ist ein Dr. jur. Hertzog in Frankfurt a/M. Weiters in den nächsten Tagen.

Mit herzlichsten Grüßen Dein treuer

Ernst.

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Datierung
26-12-1883
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Potsdam
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 38890
ID
38890