Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Charlotte Haeckel, Jena, 25. Mai 1883

Jena 25 Mai 83

Liebste Mutter!

Mit Freude ersehe ich aus Deinem Briefe, daß Ihr das Pfingstfest vergnügt und gesund gefeiert habt. Bei uns war das leider nur theilweise der Fall, da Agnes und Lisbeth einen Anfall des hiesigen bösen Frühjahrs-Catarrhs hatten und mehrere Tage im Bett bleiben mußten. Jetzt ist es glücklich vorüber und Beide sind seit vorgestern wieder ausgegangen, u. haben nur noch Schnupfen. Leider sind die Wetter-Extreme wieder sehr stark. || Sonnabend vor dem Fest hatten wir noch arge Kälte, und Schnee! mußten tüchtig heizen! Am I. Pfingsttage kam plötzlicher Umschlag. Am II. und III war es glühend heiß, im Schatten 24°! Am II. machte ich mit Walter einen tüchtigen Übungsmarsch von 8 Wegestunden (Roda, Waldeck, Bürgel, Wölmisse). Er ist uns gut bekommen. Dann war Strasburger aus Bonn drei Tage hier. Wir waren sehr vergnügt zusammen! ||

Unser Häuschen rückt hübsch vorwärts und sieht schon recht nett aus; ebenso das neue Institut. Morgen wird es der Großherzog besichtigen. Georg ist munter und frißt sich ganz dick heran! || Hermann bitte ich schön zu danken für die Weiden-Stecklinge, welche bereits schön grün ausschlagen.

– Wenn Mulders auf der Thüringer Bahn zurück fahren, sollen sie doch den Umweg über Jena nicht scheuen! Grüße sie schönstens, ebenso Tante Bertha und unsere anderen Lieben. Hoffentlich bist Du die Folgen Deines Falles ganz los.

Mit herzlichsten Grüßen

Dein treuer Ernst.

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Datierung
25-05-1883
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Potsdam
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 38872
ID
38872