Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Charlotte Haeckel, Jena, 16. November 1882

Jena 16 Nov. 82

Liebste Mutter!

Herzlichsten Dank für Deinen lieben Brief, und für die rasche Besorgung der 3000 Mk, die bereits an den Baumeister ausgezahlt sind. Bauen ist ein theures Vergnügen, das merke ich! Aber unser Häuschen ist auch ganz reizend geworden, und nimmt sich unter Schieferdach, auf seinem hohen Postamente am Mühlbach-Ufer, so stattlicha aus, daß die guten Jenenser „Häckels Schlößchen am Biedermann’s-Wege“ höchlichst bewundern, und die guten Freunde uns förmlich gratuliren! ||

– In Bonn ist vor 14 Tagen der alte Zoologe (Troschel) gestorben. Strasburger und Andere wollten mich gern hinhaben. Ich habe aber natürlich abgelehnt. Jetzt kann ich hier wirklich mit Allem zufrieden sein.

– Am Montag war ich Abends in Weimar bei Hofe. Der Prinz Reuß (Wiener Botschafter), Schwiegersohn des Großherzogs war da. Ich zeigte meine Aquarelle und Photogramme von Ceylon.

– Die Vorlesungen sind gut besucht. Leider friere ich nur sehr viel! Der norddeutsche Winter ist doch abscheulich! ||

Die vortrefflichen Würste aus Gütersloh sind gestern auch glücklich eingetroffen; die erste hat uns heute bereits trefflich gemundet. Auch dafür herzlich Dank! Unsere Jenenser Würste – früher so berühmt – werden leider immer schlechter und sind fast nicht mehr zu genießen. Das kommt von der „Großstadt“.

– Deinem Wunsche entsprechend, werde ich für die Kinder ein Weihnachts Geschenk deinerseits besorgen.

‒ Carl für seine Mittheilungen herzlich Dank! Hoffentlich ist sein Zahnweh vorbei.

– An alle Lieben herzl. Gruß! Daß Du in Berlin so vergnügt warst, freut mich sehr!

Dein treuer alter Ernst

a korr. aus: stathlich

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Datierung
16-11-1882
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Potsdam
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 38860
ID
38860