Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Charlotte und Carl Gottlob Haeckel, Merseburg, 5. März 1852

Merseburg 5/3 1852

Liebe Eltern!

Diesmal nur noch flüchtig ein paar Zeilen. Die wichtigste Nachricht ist diesmal, daß bei Osterwalds in der Nacht vom Sonntag zum Montag – um 11½ Uhr – also grade am Ende des 29sten Februars, des Schalttags – ein muntrer, gesunder Junge angekommen ist. Mutter sowohl als Kind a geht es ganz gut. Wie sehr Osterwald sich freute, könnt ihr kaum glauben. Heute sehen wir das kleine dickeb Sonntagskind zum erstenmal. Eine Verwandte aus Halle führt unterdeß die Wirthschaft. –

Vorgestern Abend war ich bei Simons, wo auch Karos, Dr. Braunes, Brettner und Lepsius waren. Der Dr Brettner geht auf ca. 4 Monat jetzt weg, um eine medicinische Reise nach Wien und vorzüglich nach Prag zu machen. Lepsius erzählte mir von einem höchst merkwürdigen medizinischen-botanischen „Kreuterbuche“ mit Bildern, das Pertz jetzt von unsrer Regierungsbibliothek für die königliche nach Berlin citirt hat und das diese Tage dahin abgeht; Schade, daß ich von dem höchst interessanten, schon im Jahre 1485 gedruckten Buche nicht eher Kenntniß gehabt habe; ich habe es mir heute angesehn. –

Das Gratulationsschreiben bittet Simon an Richter bei Gelegenheit zu besorgen. Er läßt schön grüssen. –

Karl grüßt schön von mir. Das specielle Sachregister von der Gesetzsammlung habe ich gestern von der Post abgeholt. ||

Nur noch 1 saure Woche, dann ist meine Noth bald überstanden. In 14 Tagen bin ich wohl, so Gott will, bei euch! Und dann! welche Freude. In Betreff meiner nach Berlin mitzunehmenden Sachen glaube ich doch, es ist besser, ich nehmec sie als Überfracht auf der Eisenbahn mit, da wohl kaum (außer der Wäsche u. s. w.) 40 Pf. herauskommen werden. Soll ich denn auch die schmutzige Wäsche, deren ich jetzt sehr viel habe, mitbringen, oder soll ich sie derweiln hier von Christel waschen lassen. Die Armenlotterie wird Sonntag über 8 Tage sein. Als neulich die Grumbach deine Sachen, liebe Mutter, in den Verein gebracht hat, ist allgemeine Bewunderung, Erstaunen u. s. w. ausgebrochen und alle haben sich darüber ausgesprochen, wie sehr du stets vermißt wurdest! –

e Herzliche Grüße an Tante Bertha u. s. w.

Euer alter Junge Ernst Haeckel

a gestr.: sind; b eingef.: dicke; c korr. aus: nehmen; d korr. aus: allgemeines; e gestr.: T

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
05-03-1852
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 38754
ID
38754