Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Charlotte Haeckel, Jena 17. Februar 1872

Jena 17. Febr 72.

Liebste Mutter!

Für Deine beiden lieben Briefe und für die freundliche Geburtstags-Sendung, durch die Du mich gestern erfreutest, sage ich Dir meinen herzlichsten Dank. Die Apfelsinen sind wunderschön und die ersten, die wir in diesem Jahre essen. Auch die Birnen sind die ersten, die wir sehen. Hier ist 1871 Alles Obst erfroren.

– Unser Hauslazareth hat glücklich wieder aufgehört. Agnes ist wieder seit einigen Tagen ausgegangen, fühlt sich aber noch sehr matt. Lisbeth war vor 14 Tagen geimpft worden, und vor deren Pocken waren Agnes und ich || abgeimpft. Bei Agnes sind die Pocken tüchtig gekommen, bei mir dagegen gar nicht. Da ich nun schon das dritte Mal (in 2 Jahren) ohne Erfolg geimpft bin, meint Gerhardt, ich sei ganz sicher vor Blattern-Ansteckung, wahrscheinlich weil ich sie 1859 gehabt habe.

– Das Geld, was Du für mich einnimmst, liebe Mutter, lege mir gleich wieder an. Ich habe jetzt hier genug von meinem Decanats-Einnahmen. Dabei bitte ich Dich aber dringendst, liebste Mutter, und zwar ein für allemal, daß Du nicht zu knapp und sparsam lebst. Laß Dir doch in Deinen alten Tagen Nichts abgehen! ||

Mein Vermögen, d. h. das, was Du Alles für mich gespart hast, möchte ich zu Nichts lieber verwenden, als um Dir Deine alten Tage bequem und gemüthlich zu machen! Bitte, laß Dir das nicht zweimal sagen!

– Auf Deinen Besuch im nächsten Sommer freuen wir uns sehr. Mutter Emma ist bereit, Dir das untere Logis zu vermiethen. Ich denke, das wird Dir auch sehr lieb sein; da doch Agnes und Kinder täglich im Garten sein werden.

– Daß es Heinrich wieder besser geht, freut mich sehr. –

Agnes grüßt herzlich und wird Dir bald selbst schreiben! – Nochmals vielen Dank.

In alter Liebe Dein

treuer Ernst.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
17-02-1872
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 38635
ID
38635