Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Charlotte Haeckel, Jena, 20. August 1870

Jena 20 August 70

Liebe Mutter!

Nach vielem Suchen und Fragen habe ich endlich heute einen Diener aufgetrieben, der mir sehr passend zu sein scheint. Er ist 19 Jahr alt, nicht groß, aber breit und kräftig, Tischler- Lehrling, der aber jetzt keine Arbeit finden kann. Er ist Sohn eines hiesigen, sehr ordentlichen Schriftsetzers, und wird mir als sehr ordentlich, ehrlich und gutwillig empfohlen.

Gedient hat er allerdings noch nicht. Aber das thut wohl nichts.

Er ist gern bereit, für mehrere Monate die Dienerstelle zu übernehmen. ||

Ich habe ihm Deine Bedingungen gesagt; da er doch wohl 3-4 rl für die Hinfahrt nach Berlin bekommen muß, 9 rl Lohn (später wenn er sich gut macht 10 rl), außerdem nur Mittagessen. Er schien damit sehr zufrieden und will sich Dienstag Morgen Antwort holen. Schreibe mir also umgehend, ob er Dir recht ist. Dann kann er schon nächsten Mittwoch oder Donnerstag zu Euch kommen. Es sollte mich sehr freuen, wenn ich Euch einen passenden Diener verschafft hätte. Militärdienst hat er erst über 1 Jahr später zu thun, ist zurückgestellt. ||

Wenn ich es hier im Blättchen bekannt gemacht hätte, würden sich wohl viele Diener gemeldet haben. Aber es ist besser so direct empfohlen zu bekommen. ‒

Diejenigen, an die ich zuerst gedacht hatte, waren theils in den Krieg gegangen, theils anderweitig besetzt. ‒

Ich werde wohl in 8 oder 14 Tagen auf einige Tage zu Euch kommen. Ich will erst den Abschnitt meiner Schwamm- Arbeit fertig machen, mit dem ich jetzt beschäftigt bin.

Wohin ich im September reise oder ob ich zu Hause bleibe, weiß ich noch nicht. ||

Heute vor 3 Jahren war unsere Hochzeit, die wir heute still und vergnügt zu Hause feiern werden. Agnes ist jetzt wieder recht munter, aber an Reisen ist nicht zu denken. Walterchen ist auch recht fidel und munter, und macht uns viel Freude. Ich wollte, ich könnte ihn Euch mitbringen; aber Agnes will ihn durchaus nicht von sich fort lassen. –

Die gestern gemeldeten Siege haben auch hier den größten Enthusiasmus hervorgerufen. Hoffentlich erreicht nun der Krieg bald ein glückliches Ende. – An Vater und die Potsdamer herzliche Grüße

Dein treuer Ernst

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
20-08-1870
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 38607
ID
38607