Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Charlotte Haeckel, Jena, 20. März 1870

Jena 20 März 70.

Liebe Mutter!

Mein Besuch in Berlin zieht sich immer noch ein paar Wochen hinaus, da mira der Schluß meiner Schöpfungsgeschichte doch viel mehr zu thun macht, als ich dachte. Die neuen Vorträge, die ich hinzugefügt habe, sowie die zahlreichen Tafeln, die die II. Auflage begleiten, machen mir eine Menge Arbeit. Doch denke ich in 2-3 Wochen ganz fertig zu sein und dann komme ich zu Euch.

Vielleicht komme ich schon Anfangb April, sonst in der Osterwoche. Die Vorlesungen sind seit 8 Tagen beendigt. Ich muß aber im Museum noch viel aufräumen. Mein Famulus taugt nicht Viel; ich nehme mir nun einen andern. ||

Hoffentlich geht es Euch gut liebste Eltern! Der harte Winter, der gar nicht enden will, wird Euch in Eurem kalten Parterre Quartier besonders hart vorgekommen sein. Wir haben hier heute wieder harten Frost gehabt. Sonst befinden wir uns alle drei sehr wohl. Walterchen läuft sehr munter, spricht aber noch wenig. Agnes ist viel bei Mutter Emma, um diese zu trösten.

In die näheren Umstände des Todes von Bertha sind immer noch nicht bekannt. Man weiß bloß, daß sie im Genfer See verunglückt ist. Otto reist nun hin.

– An Vater und die Potsdamer herzlichste Grüße. Wie immer

Dein treuer Ernst

Die Rentenscheine werde ich mitbringen.

a korr. aus: ich; b korr. aus: Oster;

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
20-03-1870
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 38602
ID
38602