Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Charlotte und Carl Gottlob Haeckel, Jena, 22. März 1866

Jena 22. 3. 66

Liebe Eltern!

Leider muß ich meine Abreise noch um 8 Tage verschieben, da ich das Manuscript welches ich an Georg Reimer mitbringen muß, erst in nächster Woche fertig bekommen kann. Dazu kommt, daß einer meiner liebsten Schüler, der Russea Miklucho, von dem ich euch erzählt habe, heute sehr bedenklich erkrankt ist. Da er Niemand hier hat, muß ich mich seiner annehmen. Ich bin leider in dieser Woche in der Arbeit sehr gestört worden, da ich zwei große Berichte über das zoologische Museum und Institut zu machen hatte, und außerdem am Montag nach Weimar zu Hofe mußte, wo ich mit den allerhöchsten Herrschaften mein Lieblingsthema, die Abstammung des Menschen vom Affen, verhandelt habe. So werde ich denn die nächste Woche noch vollauf zu thun || haben. Sonnabend 31. März Abends (vor Ostersonntag) komme ich aber ganz bestimmt und auf alle Fälle, selbst wenn ich die Arbeit noch nicht fertig haben sollte.

b Hoffentlich geht es mit Deiner Hand wieder ganz gut, liebe Mutter. Dein Brief hat mich beruhigt.

Inzwischen herzlichsten Gruß

Also auf frohes Wiedersehen am Samstag 31. März, Abends 10 Uhr

Euer Ernst.

Einlage bitte bald an Georg Reimer zusenden.

Nächste Woche wird mein Freund Hildebrand in Berlin sein und euch besuchen. Ladet ihn ja einmal zu Mittag ein, da ich so oft bei ihm bin. Ich wollte mich eigentlich Palmsonntag mit ihm bei euch einladen.

c Hildebrandts Brief habe ich bekommen und die Aufträge ausgeführt.

a eingef.: Russe; b Inzw; c weiter am Rand v. S. 2.

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
22-03-1866
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 38591
ID
38591