Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Charlotte und Carl Gottlob Haeckel, Jena, 9. März 1866

Jena 9. März

1866

Liebe Eltern!

Euren lieben Brief habe ich erhalten. Herzlichen Dank dafür. Ich sitze noch tüchtig in der Arbeit und werde daher, obgleich heute alle Vorlesungen geschlossen werden, doch erst in 14-16 Tagen (frühestens Palmsonntag 25/ März) nach Berlin reisen können.

Ich denke dann etwa 3 Wochen bei euch zu bleiben, und noch einen Abstecher nach Landsberg zu machen. Mein Arbeitsleben fließt Tag für Tag ruhig und einsam fort. Nur eine Unterbrechung habe ich gehabt, indem ich vor 3 Tagen (am Dienstag 6.a März) zum ersten Male in diesem Winter einen Abend ausgegangen bin. || Es war nämlich Stiftungsfest und Abschiedsfeier der abgehenden Mitglieder des hiesigen studentischenb naturwissenschaftlichen Vereins, zu dem ich als das erste Ehrenmitglied feierlichst eingeladen war. Jüngst ist noch ein zweites Ehrenmitglied ernannt worden, der Professor der Physik, Schäffer, der auch dort war. Als Gast war noch ein dritter Professor, Czermak, da. Es war ein sehr heiterer, belebter Abend, an welchem ich mit großem Behagen die außerordentliche Liebe und Verehrung genoß, die ich mir bei meinen Studenten erworben habe. Vorzüglich freute mich die große Wirkung der Vorlesungen über Darwin, welche sich in einer Reihe von begeisterten Toasten kund gab. Ich kam erst gegen 2 Uhr nach Hause.

[Briefschluss fehlt.]

a korr. aus: 27.; b eingf.: studentischen;

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
09-03-1866
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 38589
ID
38589