Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Charlotte und Carl Gottlob Haeckel, Jena, [4. Februar 1864]

4. 2. 1864.a

Heute über 5 Wochen fangen nun schon unsere Osterferien (5 Wochen) an, auf die wir uns Beide sehr freuen, da wir sie wohl größtentheils bei euch zu bringen werden. Vorgestern (6. Februar) war hier Prorectorats- Wechsel und dabei hielt der neue Prorector, Prof. Endemann, unser Hausgenosse, eine ganz vortreffliche, sehr liberale Rede „über die historische Behandlung der Jurisprudenz und ihren Zusammenhang mit der Rechtsphilosophie“. Er ist der einzige aufrichtige Liberale in der jurist. Facultät und wird daher bei seinen Collegen sehr angestoßen haben. Die Theologen sind hier durchweg freisinniger als die Juristen. Die ersteren haben sich neulich auch sämmtlich der Erklärung gegen die Kreuzzeitung angeschlossen. Im Ganzen war hier die Bewegung für Schleswig Holstein sehr lebhaft und der Historiker Adolf Schmidt hielt mehrere vortreffliche Vorträge über dessen Geschichte. Er vermuthet, daß Preußen es für sich behalten will und dagegen Garantieen für Venetien oder Ungarn für Österreich übernommen habe. ||

Hoffentlich ist Deine Erkältung, lieber Vater nun ganz wieder vorüber. Bei dem paradoxen Wetter war es allerdings keine Kunst, krank zu werden.

Nimm Dich nur ferner noch recht in Acht.

Grüßt die Tanten, Frau Weiß, Dr. Barth etc. bestens von uns Beiden.

Mit herzlichem Gruß

Euer treuer

Ernst.

a späterer eigh. Vermerk Haeckels;

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Datierung
04-02-1864
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 38568
ID
38568