Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Charlotte Haeckel, Jena, 4. März 1865

Jena 4.3.65.

Liebe Mutter!

Deinen letzten Brief nebst dem vorhergehenden von Vater habe ich richtig erhalten und sage Dir dafür besten Dank. Auch Frau Streng läßt schön danken für das Lied von Paul Gerhardt. Es geht bei Gegenbaurs jetzta gut. Mir geht es auch leidlich, da ich tief in einer Arbeit stecke, die mich sehr interessirt. Sie wird wohl noch diesen ganzen Monat in Anspruch nehmen. Körperlich befinde ich mich sehr gut, da ich regelmäßig 3 mal wöchentlich stark turne, auch 1 oder 2 mal mit Gegenbaur und Schleicher spazieren gehe. Sehr überrascht wurde ich am letzten Februar durch einen Brief von Seebeck, wo mir derselbe auf die freundlichste Weise meldet, daß die hohen Erhalter der Universität gnädigst beschlossen haben || vom I. Januar dieses Jahres an mein Professur Gehalt zu verdoppeln, also von 200 auf 400 rℓ zu erhöhen. Rechne ich dazu meine 100 rℓ Director Gehalt und das Minimum von 100 rℓ Collegien-Geldern, so verdiene ich mir jährlich schon 600 rℓ, womit ich schon ganz zufrieden sein kann. Die Zulage hat mich deshalb sehr gefreut, weil sie gänzlich ohne mein Zuthun gekommen ist und ich mich niemals bei Seebeck über das geringe Gehalt beschwert oder Zulage verlangt habe. Inzwischen habe ich von Kölliker einen Brief ausb Würzburg gehabt, wonach ich in München von der Würzburger Facultät in zweiter Stelle vorgeschlagen bin, Leydig in Tübingen dagegen an erster. Es ist aber wahrscheinlich, daß der letztere den Ruf annehmen wird. [Briefschluss fehlt]

a korr. aus: geht; b korr. aus: nach

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Datierung
04-03-1865
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 38547
ID
38547