Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Karl Haeckel, Jena, 4. April 1891

Jena 4. April 1891

Lieber Bruder!

Eigentlich dachte ich in diesen Tagen bei Dir zum Besuch einzutreffen. Nun wird es aber doch wohl 10–14 Tage dauern. Die Besserung von Agnes (die nun 6 Wochen in der Privatklinik liegt) schreitet so gut fort, daß sie wohl schon in 8 Tagen wird in die Medusen-Villa zurückkehren können; und da muß ich doch da sein. Die Wunde ist nahezu geschlossen und sehr gut geheilt. Natürlich sind aber Nerven und Magen, so wie die Kräfte und Ernährung, sehr herunter gegangen. ||

Ich werde an die widersprechenden Aufregungen der letzten drei Monate zeitlebens denken! Der Gegensatz des glückstrahlenden Brautpaars und der armen schwer leidenden Mutter, dazu noch eine Menge von anderen häuslichen Sorgen und drängenden wissenschaftl. Aufgaben war wirklich entsetzlich! Erst seit 14 Tagen kann ich wieder ordentlich arbeiten!

Nun, „Ende gut, Alles gut“. Oster-Montag war ich mit Lisbeth in Leipzig bei Meyer’s – eine sehr nette Familie! ||

Bitte sende diese Zeilen mit herzlichsten Grüßen an Tante Bertha. Ich werde wohl erst am 17. oder 18. April zu ihr kommen.

Heinz scheint ja von Egypten sehr entzückt zu sein.

Herzlichste Grüße an alle Lieben

Dein tr. Bruder Ernst.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
04-04-1891
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 38073
ID
38073