Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Karl Haeckel, Jena, 19. September 1887

19 Sept. 87.

Lieber Bruder!

Zu Deinem morgigen Geburtstage sende ich Dir unsere herzlichsten Glückwünsche, zugleich im Namen von Frau und Kindern. Hoffentlich seid Ihr Alle morgen recht vergnügt zusammen. Heinz wird Dir von uns erzählen. Meine dummer Knie-Entzündung (nach Heinz „Bursitis praepatellaris“ wie sie gewöhnlich nur Dienstmädchen und Schornsteinfeger bekommen, ist im Laufe von 14 Tagen vollständig vorübergegangen. || So konnten wir dann vorgestern (Samstag 17.) bei herrlichstem Herbstwetter einen Ausflug von 2 Tagen nach Schwarzburg wagen. Ich fuhr mit meinen drei Weiberchen um 9 Uhr von hier ab. Um a 11 Uhr waren wir in Blankenburg, von wo wir per Wagen nach Schwarzburg fuhren. Nachmittag herrlicher Spaziergang auf Trippstein und Fasanerie. Sonntag (gestern) Vormittag wanderten wir zu Fuß wieder nach Blankenburg zurück, bleiben Nachmittag im Chryogeras und Abends im „Rudolobade“, dem großen orientalischen Schwindelbade von Dr. Richter (früher Strumpfwirker, jetzt „Pain-Expeller“). ||

Am 24. kömmt Walter und bleibt 14 Tage hier (noch mit Lisbeth zusammen). – Anfang oder Mitte October komme ich (wahrscheinlich mit b Agnes zusammen) auf acht Tage nach Potsdam und Berlin. Lisbeth geht Anfang October nach Wiesbaden zurück. – Ich stecke tüchtig in meiner Siphonophoren-Arbeit, dem letzten Reste der Challenger-Arbeit. –

Hoffentlich geht es unserem lieben Mütterchen und Tante Bertha wieder besser, und ist auch Friedel nicht mehr Patient.

Mit herzlichsten Grüßen an alle Lieben

Dein treuer Bruder Ernst

a gestr.: 12; b gestr.: Lisbeth

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
19-09-1887
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 38000
ID
38000