Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Charlotte und Carl Gottlob Haeckel, Jena, 6. Dezember 1862

Jena 6. 12. 62.

Liebe Eltern!

Eure beiden lieben Briefe, die den Dank für die Geburtstags- Sendung enthaltena, haben wir richtig erhalten, und uns sehr gefreut, daß ihr so munter sei. Bleibt nur noch recht lange so! Wir beide freuen uns außerordentlich auf Weihnachten, wo wir uns bei euch lieben Alten recht behaglich und gemüthlich einquartiren wollen. Wir werden, wenn nichts dazwischen kommt und wir nicht mehr vorher schreiben, heute über 14 Tage, Sonnabend 20. December Abends hier abreisen und Sonntag 21. Morgens in Berlin sein. ||

Es geht uns vortrefflich. Nur habe ich etwas sehr viel zu thun, nämlich wöchentlich 14 Colleg- Stunden zu halten: 5 Zoologie (28 Zuhörer) 4 Osteologie und Syndermologie (10 Zuh.) 4 Histologie und mikroskopische Übungen (5 Zuhörer) und 1 Stunde Publicum über Darwins Schöpfungs- Theorie (21 Zuhörer). Im Sommer werde ich mir weniger Vorlesungen aufhalsen. –

Meist haben wir schönes Winter- Wetter, bei dem ich noch oft mit Anna größere Spaziergänge mache. –

Beifolgende Briefe besorgt ihr wohl. Der Brief an die Pianoforte- Fabricanten schickt an Helene || Jacobi, welche denselben mit 170 Thaler belasten und dann abschicken soll. Den Brief an Möbelhändler Peters steckt in 1 Stadtpost- Frei- Couvert.

Soll ich etwa Dir einen Rehrücken oder sonst Wild zu Weihnachten mitbringen, liebe Mutter? Der Rehrücken zu Vaters Geburtstag kostete 2 ½ rl. Findest Du das billig? Hasen kosten gewöhnlich 20 Sgr.

Wenn wir einige bescheidene Wünsche für Weihnachten äußern dürfen so beziehen sich diese auf Wirthschaftsgegenstände namentlich Thee und Rum; auch Apfelkraut ist sehr angenehm. Ferner können wir einen Regenschirm brauchen. ||

Wir werden wohl volle 14 Tage bei euch bleiben können, da erst Montag 5 Januar die Collegia wieder beginnen und ich erst den Tag zuvor abzureisen brauche.

b Den Korb, in welchem Anna den Rehrücken geschickt hat, müssen wir wieder mitbringen, da er dem Wildhändler gehört.

Also auf frohes Wiedersehen in 14 Tagen!

Euer treuer Ernst.

Grüßt Tante Weiss, T. Bertha etc herzlichst.

[Nachträglicher Vermerk von der Hand Charlotte Haeckels]

Grüßt mir die Kinder aufs herzlichste. –

Mit der innigsten Liebe

Eure

alte Mutter.

a irrtüml.: erhalten; b gestr.: Also;

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Datierung
06-12-1862
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 37781
ID
37781