Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Charlotte und Carl Gottlob Haeckel, Jena, 17. Mai 1862

J. 17. 5. 62.

Liebe Eltern!

Gewiß freut ihr euch kaum weniger, als Anna und ich, daß nun endlich der – „Großherzoglich-Herzoglich-Sächsische (Weim. Eis. Cob. Goth. Altenburg. Meining. Hildburgh. ̶ ische)“ Professor aus dem Ei zu schlüpfen beginnt und bereits die Eischalen glücklich durchgeklopft hat und mit dem Schnabel herausguckt. Leider wird es wohl noch ein paar Wochen dauern, bis Facultät und Senat ihm ganz heraushelfen und bis dahin bitte ich euch auch, nicht von der Professur zu sprechen – namentlich diesen Zettel nicht im Schlüsselkorb oder sonst herumliegen zu lassen – || erst dann darf die Veröffentlichung folgen. Anna wird euch das Weitere mittheilen, auch daß es mir mit dem Colleg sehr gut geht, wo ich 17 Zuhörer habe. Nachmittags von 4-5 höre ich 4 mal wöchentlich bei Kuno Fischer Geschichte der Kantischen Philosophie, die sehr interessant ist, obwohl ich kaum glaube, daß sie mich von meinem englischen (Bako- Lockeschen) Realismus und dem Humeschen Skepticismus befreien wird. Besitzt Du Schriften von Kant? Und welche? Oder sind unter Großvaters Büchern noch welche aufzutreiben? (Besonders die Kritik der reinen Vernunft?) Bitte antworte mir bald darauf! Hoffentlich geht es euch gut! Schreibt bald

eurem glücklichen Ernst.

Herzlichen Gruß

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Datierung
17-05-1862
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 37766
ID
37766