Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Carl Gottlob Haeckel, Jena, [29. Juni 1861]

Lieber Vater!

Durch Mimmi höre ich zu meinem großen Leidwesen, daß Mutter wieder erkrankt ist. Ich hoffe indeß es ist bald vorübergehend und hat nicht viel zu sagen. Um so nöthiger ist die Reise und Entfernung von Berlin, die ihr gewiß gut thun wird. Für Deinen lieben, letzten ausführlichen Brief herzlichen Dank; schreib nur recht bald wieder so, es interessirt mich Alles sehr. Ich werde Dich diesmal um Ausführung einiger Besorgungen bitten.

1, Stecke den inliegenden Brief an Dr. Zenker in eina Stadtpostfrei- Couvertb und schreibe darauf:c

Herrn Dr. phil Wilhelm Zenker

Oranienstr. 119.

2, Bitte, suched den Museumsdiener Friedrich auf, im Zoologischen Museum Vormittags bis 12 U. zu finden (Universität, rechter Flügel (nach dem Zeughaus zu) 3 Treppen) und händigte ihm 3 rl ein (drei Thaler). Er erhält dieselben für eine (beiläufig sehr schlecht ausgestopfte) Schildkröte, welche er für das hiesige Museum ausgestopft hat. Die Quittung hat er bereits sehr geschickt und Prof. Gegenbaur hat mir die 3 rl gegeben. Übrigens kannst Du auch Caroline hinschicken und Dir von ihm den Empfang der 3 rl quittiren lassen. ||

3, Habt Ihr denn wohl das Honorar an Wilms (4 Frdd’or) für die Behandlung des Armbruchs bezahlt. – dem hysterischen Assistenten braucht ihr übrigens Nichts außerdem zu geben, da er von Wilms bezahlt ist.

4, Siehst Du zufällig Georg Reimer in diesen Tagen, so benachrichtige ihn, daß ich das Manuscript erst in ein paar Wochen werde schicken können, da ich mich bei der Revision überzeugt habe, daß ich den ersten Abschnitt des allgemeinen Theils fast noch ganz werde überarbeiten müssen. Da ich eigentlich nur 2 Tage (Sonntag und Samstag) frei habe, die übrigen 5 Tage ganz durch das Colleg fortgenommen werden, so rücke ich jetzt nicht viel vorwärts und werde die Beendigung des ganzen Werks auf die Ferien verschieben müssen. Ich darf also kaum hoffen, daß es vor October erscheinen wird. Auch ist die Frage ob die Kupfertafeln eher fertig werden. Ich habe noch keine wieder bekommen. Das Colleg kostet mir viel Zeit, macht mir aber auch viel Freude. Auch sonst geht es mir vortrefflich. Daß ich die Schweizerreise mit Gegenbaur und Bezold nicht werde mitmachen können, bedauern wir 3 gleich sehr. Indeß wird es wohl, abgesehen vom Geldpunkt, schon wegen des Radiolarienbuchs nicht möglich sein. Nächstens schreibe ich ausführlicher.

Schreibe mir recht bald, wie es Mutter geht.

Mit herzl. Gruß Dein Ernst.

a korr. aus: eine; b eingef.: frei- Couvert; c korr. aus.: und adresse d korr. aus: Du selbst.

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Datierung
29-06-1861
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 37756
ID
37756