Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 13. September 1883, mit Nachschrift von Siegfried Haeckel

Potsdam 13/9 83.

Mein lieber Ernst!

Herzlich danke ich Dir für Deine lieben Zeilen. Wie freue ich mich, daß Ihr gesund seid. Ich hatte rechte Sehnsucht von Euch zu hören, sagte mir wohl, daß der doppelte Umzug, den Ihr vorhabt, Deine und Agnes Kräfte so in Anspruch nehmen würde, daß Ihr nicht zum Schreiben kommen könntet; um so mehr war ich erfreut als ich Deinen lieben Brief bekam, der mir ja Gutes über Euer Befinden sagte. Nun wünsche ich || nur von Herzen, daß Ihr Lieben alle gesund bleibt, und der Umzug glücklich von statten gehn möge; Dich, mein lieber Ernst, muß ich noch bitten, Dich dabei nicht zu übernehmen, denn Du möchtest bei Deiner Lebhaftigkeit alles gleich vollbringen. Wie leid ist es mir, daß die Kräfte mir versagen, und ich nichts mehr im Leben leisten kann, denn am liebsten käme ich zu Euch, und würde Agnes helfen; wie ich aber jetzt bin, kann ich nichts leisten. Darin muß man sich schicken. ||

Bis jetzt sind die Nachrichten, die wir von Anna erhalten so gut, wie man es für den Anfang nur erwartten darf. Gott helfe weiter. Du kannst denken, mein lieber Ernst, wie dies Geschick mich bewegt: mein armer Karl hat eine schwere Lebensaufgabe: nun Gott erhalte ihn gesund und gebe ihm Kraft. Für den Schwiegersohn ist es traurig, nur solch kurzes Glück, und mit welcher Wehmuth sehe ich das Kindchen an; die arme Anne nun in der Fremde, getrennt von Mann, Vater und Kind. ||

Karl ist gestern nach Berlin gefahren, hat bei Bertha übernachtet und wollte heute früh von dort nach Eisenach, um dem Lutterfeste bei zu wohnen; wir erwartten ihn heute Abend zurück. –

Von Georg haben wir bis jetzt gute Nachrichten, die letzten waren von Fulda. Heinnrich wird wohl zum Herbst her kommen, da er noch ½ Jahr dienen muß, ob hier oder in Berlin ist noch unbestimmt. Im Ganzen ist ja der Kreis hier kleiner, am Sonn-||tagtisch, der mit 14täglichem Wechsel einmal bei Karl und bei mir ist, sind oft nur 6 bis 8 Personen, denn Herrmann kann mit seiner Frau nur selten dazu kommen. Mannichmal kommt Bertha, der ja die Badekur im Sommer gut bekommen ist, sie sieht besser aus. –

Mein Wunsch war so manches, was mich bewegt mit Dir zu besprechen; aber mein dummer Kopf läßt mich nicht zum orndlichen Schreiben kommen. So kann ich auch heute nicht || mehr, und füge nur noch die herzlichsten Grüsse bei für Dich, Deine liebe Frau und die Kinder; und bitte Gott um seinen Seegen für Euch Lieben alle; er erhalte Euch gesund, und gebe, daß viel Freude und Friede mit Euch in das neue Haus ziehe. Das wünscht von ganzem Herzen

Deine

alte Mutter

Lotte Häckel.

[Nachschrift von Siegfried Haeckel]

Sigfried. grüss alle. 120

– 5 67 5 – 6

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Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
13-09-1883
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36961
ID
36961