Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 19. Juni 1883

Potsdam 19/6 83.

Lieber Ernst!

Wie sehr wurde ich gestern überrascht als aus Jena solch große Kiste kam; doch ehe sie noch aufgemacht war, sagte ich: das sind gewiß Waldblumen, die Ernst mit den Kindern für mich gepflückt hat! Und richtig nun ziehrt der schöne Strauß meine Stube, und spricht mir Deine Liebe aus. Hab Dank, Du lieber Herzens Junge.

In meiner Stube steht nun in der Mitte in einem großen Becken der Thüringerwald. ||

Von Karl hast Du schon gehört, daß er heute Großvater geworden ist; natürlich allgemeine Freude. Es scheint ja auch nach dem was ich gehört habe, eine glückliche Geburt gewesen zu sein, und bis jetzt ist ja alles gut. Die Schwester von Hahn, die zur Pflege morgen kommen wollte und deshalb in Berlin war, hat Hahn geholt, und wie mir Karl eben sagt; ist sie schon hier. – ||

Für heute genug; nach den schönen Tagen, die wir hatten, wird es schwer a nicht zu frösteln; der Wechsel ist zu grell; und doch freue ich mich für Anna, daß das Bettliegen ihr nicht durch Hitze erschwert ist. – Sei mit Frau und Kindern aufs herzlichste gegrüßt, Georg mit eingerechnet, dem ich gute Besserung wünsche.

Behalte lieb

Deine

alte Mutter

Lotte Häckel.

a gestr.: sich

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
19-06-1883
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36955
ID
36955