Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 13./14. Juli 1883

Potsdam 13/7 83.

Mein lieber Herzens Ernst!

Eine sehr große Freude hast Du mir heute durch Deinen lieben Brief gemacht, hab Tausend Dank dafür. Schon als die Karten von der Wartburg u. Inselberg kamen freute ich mich sehr, daß Du mit den Kindern solch schöne Reise machtest; sage nur Lisbet: sie habe nun das genossen, was ich mir als junges Mädchen immer gewünscht habe: mit meinem Vater eine Fußreise || in einer schönen Gegend zu machen. Freilich fiel meine Jugend in einer ernsten Zeit, wo an so was nicht zu denken war. –

Daß Euer Bau nicht so bald fertig wird, thut mir für Euch leid. Nun kann es aber bei dem warmen Sommer, den wir haben, recht austrocken. Das ist auch gut. – –

Morgen wird nun Karl seine Reise antreten, er bleibt einen Tag in Landsberg, wo er mit Herr-||mann zusammen trift. – Herrmanns Hochtzeit wird nächsten Mittwoch sein. Gott gebe seinen Seegen.

Sonnabend.

Gestern kam ich nicht mehr zum Schreiben. Karl, der eben abgereist ist, läßt Dich grüssen, er war so beschäftigt mit Besorgungen für seine Reise und Einrichtungen in seiner Abwesenheit, daß er nicht wie er gestern wollte an Dich noch schreiben konnte, er wird Dir in den nächsten Tagen schreiben, daß Du nicht gerne bei Trubel der Burschenschafts Feier in Jena sein magst, finde ich natürlich. || Aber schöner wäre es, wenn Du nach Potsdam kämst; wie ist es: ist für mich keine Hoffnung in diesem Jahre Dich, Deine Frau und Deine Kinder bei mir zu haben?

In der letzten Zeit waren meine Gedanken viel mit Anna in Sorgen, gestern ging es aber besser, sie hatte auch einige Stunden ausser Bett sein können, wie ich höre, soll sie auch jetzt Besuch annehmen dürfen; ich kann aber nur erst dann hingehn, wenn ich weiß wann es für sie paßt. ||

Von Bertha lauten ja die Berichte aus Münster am Stein in Ganzen gut, nur klagt sie über die Hitze; nun die müssen wir ja alle ertragen. – –

Recht oft, mein lieber Ernst, wandere ich in Gedanken mit Dir und Agnes durch das neue Heim, was Ihr Euch gründet, und wie gerne ich auch es sehn möchte, fühle ich doch zu bestimmt, daß das ein unerfüllbarer Wunsch; nun es ist ja für mich eine große Befriedigung: || wenn Ihr häuslich zufrieden und glücklich seid. Und das gebe Gott; vor Allem viel Freude an den Kindern.

Agneß laß ich bitten mir die Fragen, die ich an sie gerichtet zu beantwortten: 1) kann Agneß, die Gardinen, die ich Euch zur neuen Wohnung geben will, in Jena kauffen? 2) habe ich sie gebeten mir zu schreiben: ob Lisbet und Emma Unterröcke zum Winter brauchen können, und an einem Bande die || Länge derselben zu schicken, ich möcht solche zu Weihnachten stricken. Meine Arbeit geht jetzt nur noch sehr langsam, da muß ich eilen, wenn sie zu Weihnachten fertig sein sollen.

Nun für heute genug wird mein Ernst sagen. Also Dir, Agnes und den Kindern einen Herzinnigen Gruß von

Euerer

alten Mutter

Lotte, die sehr

klapperich wird, aber Euch lieb behält. ||

Gruß an Georg.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
14-07-1883
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36951
ID
36951