Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 5. März 1883

Potsdam 5/3 83.

Lieber Ernst!

Hierbei erhälst Du die gewünschten 700 Mark. Zum ersten Aprill sind 2 Grundschuldbrief der Vereinigten Westphalia von Dir ausgelost, Karl wird nun beim Einlösen der Zinsen nach Dortmund schreiben, daß sie diese 1000 Thaler Dir direkt nach Jena schicken.

Damit ist für heute der geschäftliche Theil meines Schreibens beendet. Das Uebrige werden wir mündlich zusammen berathen; wenn ich dann noch lebe. Doch wie Gott will. – Auf Dein Herkommen freue ich mich || sehr; richte Dich nur so ein, daß Du nicht zu kurze Zeit hier bist.

In der letzten Zeit war hier im Hause mancherlei Aufregung: Georg hat sein Abirituentenexamen gemacht; und bestanden, wird also wohl zum Aprill zur Universität gehn, und wahrscheinlich nach Jena. Für Herrmann wird sich die Stelle so weit bessern, daß er wohl auch sich im Sommer die Frau holen können, und das ist ja auch gut; wie einmal alle Verhältnisse sich gestalten, im Grunde kann ja jeder nur selbst seinen Lebens-||weg ordnen, alles Sorgen und Bangen hilft ja nicht, wenn die Kinder auch in Lebensstellungen kommen, die uns fremd sind. Recht innig freut es mich, daß Du mir schreibst, daß der Wechsel der Schule so vortheilhaft auf Walter gewirkt hat, möge es ferner so glücklich fort gehn; und Du noch viel Freude haben, an Deinen Kindern überhaupt. Mag ihre Lebensstellung auch verschieden sich gestalten, wenn nur alle a brav und tüchtig werden. – ||

Deiner lieben Frau noch besonders meinen Gruß mit dem Wunsch, daß ihre neuen Bäsen gut einschlagen; ich freue mich, daß sie nun doch wieder einen Dienstbaren Geist hat.

Hoffentlich kommt Agnes mit den Kindern im Sommer zu mir; ich begreiffe recht wohl, daß sie jetzt nicht gerne ihr Haus verläßt.–

Sei mit Frau und Kinder herzlich gegrüßt von

Deiner alten Mutter.

a gestr.: die

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
05-03-1883
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36948
ID
36948