Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 7. Februar 1883

Potsdam 7/2 83.

Mein lieber Ernst!

Herzlich danke ich Dir für Deine lieben heute erhaltenen Zeilen. Der Tod Deines Universitätsfreund Hein geht mir recht nah: der ältere Bruder ist ja wohl vor ein paar Jahr gestorben? –

Deine Versicherung, daß es Euch, Lieben, gut geht freut mich sehr, und hoffe ich sehr, daß Walter auf den jetzt neu betretenen Schulweg mit Ernst weiter strebt; und vor allem sich an Arbeit gewöhnt, daß er Trieb bekommt, aus sich selbst was zu leisten, und keinen Anstoß bedarf. – –

Daß Du mit Agnes öfter in Gesellschaft bist, bringt ja die Jahreszeit mit; Karl ist auch viel mit Marie aus, und für Marie angenehm, daß es manch Tänzchen giebt; || Karl macht den liebenswürdigen Ballvater recht geduldig, und kann darin seinen jüngeren Bruder ein Beispiel sein, wenn er seine Lisbet zu Ball führt, doch die Pflicht wird ihm wohl seine Agnes erleichtern, wenn sie als Ballmutter Geduld übt. Ja Karl tanzt noch mit, wenn es an einem Tänzer fehlt; und ich freue mich, daß er es kann; wie anders war das im vorigen Winter, wo er das Bett hüten mußte. –

Die Aussicht mich im Aprill zu besuchen freut mich sehr, wenn ich dann noch lebe; in meinem hohen Alter, kann es schnell enden; || doch wie Gott will.

Bringst Du Agnes und die Kinder mit? – – –

Daß Ihr solchen Aerger mit Euerem Mädchen hattet, thut mir sehr leid. Konnte nur Agnes gleich Hülfe haben; denn in jetziger Jahreszeit braucht man doch auch jemand zum Heitzen etc. – – – –

Doch, mein lieber Ernst, Du wirst wohl Deine Zeit besser verwenden können, als die Klagen der alten Frau zu hören, Du weißt ja doch, daß sie innig Theil nimmt an Allem, was Ihren Kindern begegnet. Behaltet lieb

Euere

alte Mutter Lotte.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
07-02-1883
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 36941
ID
36941