Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 30. November 1882

Potsdam 30/11 82.

Mein lieber Ernst!

Diesmal erscheint Deine alte Mutter als Bettelfrau vor Dir, da sie einige Bitten an Dich hat: Du schriebst neulich, Du könntest mir noch 2 Exemplare Deiner Ceilonreisebriefe schicken, ich habe bis jetzt nicht darauf geantwortet, weil ich weiß, daß Du viele selbst brauchst. Da ich aber gerne zu Weihnachtsgeschenken noch 2 haben möchte, habe ich immer in der Zeitunga vergebens die Anzeige des Buchs gesucht, glaube daher, daß es noch nicht zu kaufen ist; nun wollt ich Dich || bitten, wenn Du jetzt noch 1 oder 2 Exemplare entbehren kannst, mir dieselben zu schicken, ich werde dann später Dir sie wiedergeben.

Die zweite Bitte gilt Dir und Agnes: ich möchte gar zu gerne für meine lieben jenenser Kinder und Enkel etwas zum Weihnachtsgeschenk haben; leider ist es mir nicht möglich selbst etwas zu besorgen, und da ich finde, daß es besser durch Euch selbst besorgt wird, so bitte ich dringend, daß Ihr mir die Liebe erzeigt und es für mich anschafft; aber Ihr müßt || es auch wirklich thun, am liebsten wäre es mir wenn Ihr etwas wählt, was Euch Beiden Freude macht; und da habt Ihr beim Einrichten des neuen Hauses wohl Gelegenheit zu. Wenn es was Zweckmässiges ist, mag es auch etwas mehr kosten. – Nur denkt daß es mir Freude ist, Euch etwas zu schenken. Viel beschäftigt mich Euer Hausbau, so fielb mir dieser Tage ein, habt Ihr wohl daran gedacht, daß Ihr im Weinkeller Stellagen machen laßt, worauf die Flaschen liegen; dann sorgt auch darum, daß ein || Lager c für Fässer gemacht wird, dazu können Klötze die beim Baum übrig bleiben, gebraucht werden. –

Nun vor allem gebe Gott Euch Gesundheit und Frieden im neuen Heim! – –

Heute Abend, indem ich schreibe, versammelt sich bei Karl eine Gesellschaft von 27 Personen, solcherd die bei der Hochtzeit nicht konnten geladen werden; es soll auch etwas getanzt werden, da viel junges Volk ist; ich habe gedankt, da ich zu hitzig tanzen würde. – Für heute wünscht Euch eine gute Nacht

Eure alte Mutter.

a korr. aus: Zeitungs; b korr. aus: viel; c gestr.: für; d korr. aus: welcher

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
30-11-1882
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36932
ID
36932