Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 27. – 29. September 1881

Potsdam 27/9 81.

Mein lieber Ernst!

Deine heute erhaltene Versicherung, daß die Wunde geheilt ist, und Du Dich ganz wohl wieder fühlst, ist mir eine große Freude; und ich hoffe es wird Dir auch wohl thun, daß Du die anstrengende Arbeit hinter Dir hast; dann ist es gewiß für Dich gut, daß das unbestimmte Schwanken über Deine Reise vorüber ist, und Dein Entschluß fest gefaßt ist. So möge Gott Dich geleiten, und es Dir recht wohl gehen! Hoffentlich bringt Dir viel Gutes, was Du Dir von derselben versprichst. || Daß Ihr Sorge um Emma gehabt, thut mir leid; hoffentlich ist sie jetzt wieder ganz wohl, und wird sich bald erholen, da ja auch scheint das Wetter besser zu werden; hier war es grimmig kalt, ich muß schon heizen. – –

Unser [!] Karl wird es hoffentlich bald besser gehn, wenn wir wärmere Tage bekommen. Epmeier versicherte mir, es habe nichts zu sagen, es sei nur langwierig. Daß Karl die Reise nach Sorau aufgegeben hat, ist mir aber Beweiß, daß er sich nicht recht fühlt, || da er sonst doch gerne dergleichen mit macht. –

Karl sieht freilich leicht angegriffen aus, und hatte auch angestrenkte Sitzungen, manichmal wara er erst nach 6 Uhr zum Mittagsessen gekommen. – Auch fehlt ihm, woran er so sehr gewöhnt ist: Bewegung in freier Luft. auf meine Veranlassung fuhr er heute eine Stunde spazieren, und als er zurückkam, war er gleich viel besser. Daher werde ich bis er erst wieder maschieren kann, bei schönem Wetter sorgen, daß wir öfter fahren. – ||

Mittwoch.

Schon lange hatte ich überlegt, womit ich noch Walter eine kleine Freude machen könnte, nun ist es ja überhaupt schwer für Knaben etwas zu finden, und habe ich doch seit mehreren Jahren Walter nicht gesehn, nun muß ich es mir versagen jetzt etwas zu schicken, und werde es nachholen, wenn ich ihn sehe. –

Gestern Abend konnt ich nicht weiter schreiben, und heute will der alte Kopf nicht ausreichen, daher ist es besser ich schicke Dir nun den innigsten Gruß Deiner alten

Mutter Lotte.

a gestr.: ist; eingef.: war

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
29-09-1881
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36920
ID
36920