Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 20./21. September 1881

Potsdam 20/9 81.

Mein lieber Ernst!

Diesmal habe ich für mehrere Sendungen Dir zu danken; und es ist mir grade heute, wo ich so von ganzem Herzen Gott danke, daß er mir zwei so brave wackere Söhne geschenkt hat; meine Worte an Dich zu richten.

Meine erste Bitte an Dich ist, daß Du Dich etwas schonen, und ruhig halten sollst, damit Du bald wieder ganz munter und frisch bist; und Deine liebe Frau mit uns Dich ruhig können auf Reisen gehn sehe; denn das scheint mir nach || allen Erkundigungen doch; daß die Colera kein Hinderniß für Dich ist. Und so müssen wir uns wohl drin finden auf ein halbes Jahr Deine Abwesenheit zu ertragen. Nun, wenn Du nur erst wieder ganz gesund bist, wollen wir uns auch drin finden. Gott möge Dich schützen und geleiten. Dich aber bitte ich dringend: sei vorsichtig, unternimm keine waghalsige, tollkühne Sachen; und richte Dich nach dem Clima des Landes, wo Du eben bist. ||

Agnes lasse ich gute Besserung wünschen; übrigens ist es kein Wunder: jedermann hat bei dem kalten Wetter über Erkältung zu klagen. Da Du erst später reist, würde Deine liebe Frau wohl auch wenn sie wohl wäre, Dich jetzt nicht verlassen. Schön wäre es; wenn Agnes mit den Kindern Weihnachten herkäme; dann könnten wir hier eine rechte Weihnachtsfreude haben durch die Vereinigung der Kinder meiner beiden Söhne. ||

Wenn Du nicht bestimmt wünschst, daß ich Dir von den gestern erhaltenen Pappieren zurück schicken soll, so werde ich Dir alle aufheben. Nach der Abschrift von der Daily News ist es jedenfalls gut; daß du kein Mohamedaner bist.–

Karl hat Dir ja wohl gestern geschrieben, daß er hier die Abstemppelung der Papiere besorgen wird; – bei den einheimischen ist es nicht nöthig.

Mittwoch

Als ich gestern eben am Schreibena war, kam Bertha, die auch heuteb bei mir bleibtc. – Karl war gestern recht vergnügt, er humpelt aber noch sehr. – Bei Karl waren gestern zu Mittag um 4 Uhr Gäste geladen; || die Liskowschen Famielie, Jakobis, Bertha Pine, Adelheit etc Da konnte also Dein gütiger Vorschlag zu einer Fahrt etc nicht in Erfüllung gehn. Wenn es aber mal vor kommt, daß Karl einen Wunsch hat, so werde ich ihn nachträglich in Deinem Namen erfüllen. –

Für heute kann ich Dir nicht mehr schreiben, der alte Kopf dient nicht mehr. –

Sei mit Frau und Kinder aufs innigste gegrüßt von

Deiner

alten Mutter.

a korr. aus: schreiben; b eingef.: heute; c korr. aus: ist

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
21-09-1881
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36919
ID
36919