Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 22. Juli 1881

Potsdam 22/7 81

Mein lieber Ernst!

Herzlich danke ich Dir für die Karte, und freue mich sehr, daß Deine liebe Frau mit dem Auffenthalt in Ziegenrück zufrieden ist. Möge ihr und den Kindern die Sommerfrische gut thun, und die ganze Gesellschaft vergnügt heimkehren. Sommerfrische ist in diesem Jahre schwer zu erhalten; bei dieser Hize wird man Kopfweh etc etc nie loos. – Nun nimm Du Dich nur recht in Acht, ich bin besorgt um Dich, weil Du vorig Jahr beim warmen Wetter || Dich so unvorsichtig auf der Reise nahmst. Wenn ich an Reisen denke, kommt mir immer der Wunsch, daß Du Rücksicht auf Deine Gesundheit nehmen mußt. – Das mußt Du auch mir zu Liebe thun. –

Hoffentlich hast Du mein Geschmierzel von neulich erhalten und verbrannt; ich weiß nicht ob ich mich deutlich ausgerückt habe, ich wollte Dich nur darauf vorbereiten, daß Du bestimmt weißt wie Du es mit der Erbschaftsangelegenheit gehalten haben willst: ||

Eins wollt ich noch mit Dir besprechen, ehe Karl zu Dir kommt: Mir liegt es am Herzen, daß meine Söhne unter sich und mit allen Menschen, die ihnen im Leben nahe stehn; in Frieden leben; und so möchte es Dir dünken, daß ich mich vielleicht gar nicht einmische in die Heinrich Angelegenheiten, und doch muß ich Dich darauf aufmerksam machen,: mir ist es als wenn Karl sich gar zu sehr durch die Berliner Sipschaft bestimmen läßt, und da wünsche ich, daß Du Dir recht klar machst, wie Du || es gehalten haben willst mit dem Antheil, daß auf Dich fällt; und a in diesem Sinne habe ich eine Notiz auf befolgenden Zettel gemacht. Es thut mir leid, dies Dir fast als hinter Karls Rücken zu schreiben; aber dazu bestimmt mich, weil ich inb der letzten Zeit gesehn, wie bald Karl sich von den Berlinern bestimmen läßt; er war ganz einverstanden mit mir über Deine Erklärung, die Du abgegeben hattest, und als er nun von der Conferenz kam, meinte er sie haben || in Berlin noch eine Entscheidung von Dir zu erwartten etc doch wir wollen die Sache ruhen lassen, ich wollte Dich nur bitten, daß Du Dir klar machst ehe Karl kommt, wie Du es gehalten haben willst. Und dann bitte ich Dich dringend; mein heutiges Gekritzel zu verbrennen; es ist nur für Dich geschrieben. Gott behüte Dich und behalte lieb Deine

alte Mutter Lotte ||

Mein Wunsch ist es, daß das c aus dem elterlichen Nachlaß mird gebührenden Erbtheil meine Kinder und sämtlichen Kindern meines Bruders Karl zukommen, so sie es Viel oder Wenig worüber jetzt noch keine Klarheit ist. Wird aber etwas aus dem elterlichen Nachlaß meiner Schwiegereltern vertheilt, so soll das, was mir als Erbe meiner lieben Anna zufällt, halb meien Kindern erhalten und die eine Hälfte soll Karl für seine Kinder || verwenden. – – Dieser letzte Zusatz habe ich gemacht, daß nicht Karl Kinder denken sollen, sie können immer gleich alles verbrauchen. – –e

a gestr.: scheint; b gestr.: bei; eingef.: in; c gestr.: mir als Erbtheil; d eingef.: mir; e Text weiter auf unterem Teil von S. 5 in umgekehrter Schreibrichtung: verwenden. – Dieser … alles verbrauchen. – –

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
22-07-1881
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36914
ID
36914