Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, [Freienwalde], 27. [Mai 1858], mit Nachschrift von Carl Gottlob Haeckel

Donnerstag

d. 27st.

Lieber Ernst!

In den Tagen hier haben wir soviel von Dir und Anna gesprochen und Karl hat recht den Wunsch bei allem Schönen, wenn Doch die Beiden hier wären; daß ich rechte Sehnsucht hatte von Dir zu hören. Gestern erhalte ich nun von Anna Dein Zettelchen und freue mich, daß es Dir so ganz nach Wunsch geht, und wie Du sagst Dein Kopf nicht mehr verdreht ist; nun rathe ich aber auch, daß Du ihn nicht gleich wieder verdreht werden läßt, wenn Dir etwas nicht nach Wunsch geht. – ||

Heute wirst Du also von der Warttburg in das Annathal sehn; und wir wollen da das Wetter so schön wird diesen Nachmittag nach Korin zu Meiers fahren. – Wir werden nicht wie früher unser Plan war heute, sondern erst Sonnabend zurückreisen. Hermine wird mit den beiden Jungen mit kommen und 8 Tage bei uns sein. Hermine hustet, sonst sieht sie sehr wohl aus, die Kinder husten auch noch immer; und ich denke den Jungen || wird die Luftveränderung gut sein. Karl finde ich sehr gewachsen und kräftig; Hermann hat sich sehr erholt ist aber sehr mager, Annachen sieht wohl aus, aber ist noch sehr zurück im Laufen und sprechen. –

Wir haben hier viel Regen gehabt; vorgestern aber bei sehr schönem Wetter haben wir eine Spazierfahrt durch den Pittgrund nach dem Haselbergenwege und über den Brunnen zurück, und haben uns sehr gefreut über die ungemein herrlichen Laub-||partien.

Nun mein lieber Ernst, leb wohl halte Dich frisch und gesund, und geniesse Gottes herrliche Natur. In Merseburg grüsse mir alle Bekannte besonders Karos und die Merkel.

Wie immer

Deine

alte Mutter

[Nachschrift von Carl Gottlob Haeckel]

Ich grüße und küße Dich aufs herzlichste und freue mich, daß es Dir wohl geht.

Dein alter Hkl.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
27-05-1858
Entstehungsort
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36884
ID
36884