Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 6. August 1879

Potsdam 6/8 79.

Mein lieber Ernst!

Mit Sehnsucht erwarttete ich von einem Tage zum Andren Nachricht von meinen jenenser Lieben; endlich erhielt ich gestern Deine Karte aus Hamburg, wofür ich Dir herzlich danke, ich nahm schon an, daß es Lisbet gut gehn müsse, denn sonst wärst Du wohl nicht abgereist. Das bestättig [!] mir denn auch einen heute von Deiner Frau erhaltenen Brief; der mir sagt, der Arzt sei mit der Heilung von Lisbets Arm zufrieden. ||

Agnes freut sich, daß die Ferien vorüber sind, und die Kinder wieder zur Schule gehn. Damit kehrt auch hier für Karls Kinder die gewohnte Ordnung wieder ein. Karl ist seit Sonntag mit dem Ernst wieder heimgekehrt. Trotz nicht sehr günstiges Wetter, scheint die Ausspannung beiden gut gethan zu haben. Wie Karl mir eben sagte wird wohl Bertha heute mit Marie von Bonn nach Bingen reisen, und so die geplante Schweizerreise beginnen. ||

Nach Deiner Kartte bist Du wohl gestern Abend von Hamburg abgereist, da ich nicht weiß wie lange Du bis Edinburg auf der See bleibst, so weiß ich nicht, wo meine Gedanken Dich finden sollen. Wo Du aber auch sein magst, überall folgen Dir meine heißen Wünsche. Gott gebe Dir eine glückliche, angenehme Fahrt. Mögest Du recht frisch und befriedigt heimkehren. Damit das aber geschieht, bitte ich Dich || dringend: sei mässig in Deiner Arbeit, Du willst immer zu viel vollbringen. Und nimm Dich vor der ungewohnten englischen Lebensweise in Acht! Vor Allem laß Dir nicht zu viel Huldigung erweisen.

Gottes reichen Seegen sei mit Dir und den Deinen; und behalte ein bischen lieb

Deine

alte Mutter, die

nur noch Freude findet im Wohlergehn der Kinder und Enkel.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
06-08-1879
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36858
ID
36858