Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 27. – 31. Dezember 1878

Potsdam 27/12 78.

Mein lieber Ernst!

Gestern früh erhielt ich Deinen lieben Brief, Du hast mir eine große Freude gemacht, daß Du mir so bald geschrieben hast, wie Ihr den Weihnachtsabend verlebt habt, in Gedanken war ich bei Euch, so gerne ich es auch in Wirklichkeit sein würde, so muß ich ja einmal ganz darauf verzichten, freue mich aber nicht minder Eueres Wohlergehns; und daß Du mit Frau und Kindern || ein heiteres Famielienfest hattest. Hoffentlich habt Ihr, Lieben auch die beiden Christtage heiter verlebt. Wir haben die Tage, Gott sei Dankt ungestört verlebt, da ja auch Julius wieder wohl ist. Berthas Hiersein ist mir eine große Freude. Heiligabend waren alle sehr vergnügt, es wurde schon nach 4 Uhr aufgebaut wegen Siegfried, der allerliebst war und die ganze Seeligkeit der Geschwister. Den ersten Festtag waren wir zu Mittag bei Karl, und gestern Karl mit allen Kindern bei mir. Heute ist Bertha nach Berlin gefahren zu Quinckes, die ihren Hochtzeitstag immer festlich feiner, ich erwartte sie heute Abend zurück. Karl ist heute mit den Kindern von Helehne nach Berlin eingeladen, da ist der kleine Siegfried den ganzen Tag bei mir gewesen; und war sehr nett.

31/12.

Durch Berthas Ankunft wurde mein Schreiben unterbrochen, und ich konnte immer nicht dazu kommen; || nun will ich aber heute zum Schluß des Jahrs noch schnell diese Zeilen enden, die Dir noch den innigsten Dank sagen sollen für alle treue Liebe, die meine Herzens Söhne mir in demselben erzeigt haben, Gott lohne es ihnen; besonders möge er Dich und Deine Lieben im neuen Jahr gesund erhalten, und ungetrübt das häusliche Glück. Möge Eure Freude am körperlichen und geistigen Gedeihen der Kinder immer mehr wachsen. (Dir muß ich wohl speziel noch Medusenstunden wünschen.) ||

Gestern wurde ich recht überrascht, daß der Postbote mir ein Kistchen aus Jena brachte, worin Du mir von den schönen Sachen mitteilst, die Du erhalten, habe Dank für alles; mit Interesse habe ich die mitgesandten Briefe gelesen, die ich Dir aufheben werde. Nun muß ich Dir noch sagen, wie wir die vorigen Tage verlebt haben. Sonnabend Abenda kamen Karls 4 Jungen zu uns, und sie mit Tante Bertha lasen in vertheilten Rollen Zirinie. Sonntag holten uns die Kinder zu Karl, wo Hedwig die Bandittenbraut gelesen wurde. ||

Gestern Abend waren wir bei Karl in einer Geselschaft, und heute wird Karl mit den Kindern zu uns kommen; wie schön wäre es, wenn Du mit den Deinen mit uns ein Glas Punsch trinken könntest. –

Ueber die Briefe von Agnes und den Kindern habe ich mich sehr gefreut sage ihnen mit Gruß meinen herzlichsten Dank dafür, heute kann ich nicht ihnen schreiben. ||

Aus Agnesb Brief sahe ich mit Bedauern, daß Deine Schwiegermutter am Weihnachtsfest nicht hat bei Euch sein können, Gott gebe ihr bald Genesung, grüsse sie herzlich von mir.

Daß die Freunde auch in der Ferne Deiner am Weihnachtsfest gedacht, muß Dir doch Spaß machen. –

Gott sei mit Dir und Deinem Haus im neuen Jahre das wünscht Dir von ganzem Herzen

Deine

alte Mutter

Lotte Häckel

a gestr.: Nachmittag; eingef.: Aben; b gestr.: Deinem; eingef.: Agnes

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
31-12-1878
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36836
ID
36836