Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 2. Dezember 1881, mit Beischrift von Georg Haeckel

Potsdam 2/12 81.

Mein lieber Ernst!

So muß ich schon heute zur Feder greiffen, wenn ein Gruß zum Weihnachtsfest und zu Neujahr von Deiner alten Mutter Dich erreichen soll. Vor allem wünsche ich Dir Gesundheit, daß der Unfall, der Dich betroffen hat, keine Spuren zurück gelassen hat, und Du ungetrübt geniessen kannst, was Dir die Natur bietet in dem fremden Lande. – Zum Fest werden Dir wohl Frau und Kinder recht fehlen; nun wenn Du nur recht frisch und gesund heimkehrst, und die Deinen alle wohl findest. || Hoffentlich bekommen wir bald gute Nachrichten von Dir, meine Gedanken begleiten Dich immer, und bin ich dankbar, daß uns der Telegraph Deine glückliche Ankunft in Colombo gemeldet hat. Bis jetzt lauten ja auch die Nachrichten aus Jena gut: Agneß ist mit den Kindern gesund. Hier ist leider nicht alles so gut, wie ich es wünsche, das Kranksein von Karl ist doch recht hartnäckig; ich hoffe aber, daß es besser wird, und freue mich, daß er jetzt im Bette bleibt, es war zu jämmerlich wenn er so herum kröpelte. –

Doch Karl wird Dir ja selbst wohl von seinen Kindern || berichten. Leid ist es mir daß Heinnrich nicht zum Feste hier sein wird; Herrmann wird wohl herkommen. Der kleine Siegfried besucht mich täglich. Abends sind wir bei Karl um sein Bett versammelt, dann lesen die Kinder abwechselnd vor. Mein einförmiges Leben wird bisweilen durch einen Besuch von Bertha erheitert; einmal war sie mit Clasen und seiner Frau hier; und einmal mit Hedwig; das war mir eine große Freude. –

Nun noch eine dringende Bitte, mein lieber Ernst; daß Du Dich recht in Acht nehmen sollst bei Untersuchungen; besonders aber || sei mit der Schießwaffe vorsichtig; Du bist zu lebhaft, um mit dem Schiessen ruhig umzugehn. Nun Gott behüte Dich, daß Du befriedigt und gesund zu den Deinen heimkehrst. Auf allen Deinen Wegen begleitet Dich das Gebet und der Seegen

Deiner

alten Mutter Lotte Häckel.

[Beischrift von Georg Haeckel]

Zum ceylonesischen Weihnachtsfeste

gratulieren Dir aufs beste

Die Neffen und Nichten fast Alle:

1. Die grad’ in Berlin verweilende Anna.

2. Auch der Wandergärtner Herman, wenn auch er nicht hier ist.

3. Als dritte Marie, die heut Pflegerin vorstellt.

4. Ernst würde dasselbe wohl auch thun

5. und Georg, der Verfasser, thut’s gleichfalls.

6. Julius, der sich recht viele Marken wünscht.

7. Pepo endlich zum Schluß bringt seine Huldigung Dir dar.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
02-12-1881
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36810
ID
36810