Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Landsberg an der Warthe, 26. [September 1866]

Landsberg den 26t

Lieber Ernst!

Da wir gar nichts von Dir hören, so bin ich in rechter Sorge, daß Du könntest krank geworden sein in Folge der angestrenkten Arbeit und der Gemüthsbewegung; ich bitte Dich daher dringend: gieb mir nur mit ein paar Worten Nachricht von Dir, oder wenn Du nicht schreiben kannst, so erzeigt mir wohl einer Deiner Freunde die Wohlthat, und sagt mir aufrichtig wie es Dir geht. – In dieser || Nacht habe ich mir einen Plan gemacht: Bist Du krank und bedarfst meiner Pflege, so lasse ich Vater hier bei Karl, und komme gleich zu Dir. Dann muß ich aber bald wissen, wie es bei Dir steht; denn Vater spricht davon Sonntag oder Montag hier abzureisen, und wenn wir erst in Berlin sind, kann ich nicht so gut abkommen, als wenn ich Vater || hier unter Karls Pflege weiß; daher bitte ich nochmals, laß mich umgehend wissen, wie es bei Dir steht. Hier im Hausea ist jetzt alles gesund. Hoffentlich bist Du es auch! –

Sorge nur, daß Du gesund bist, ehe Du die Reise antrittst. Solltest Du von Jena gleich reisen, und wir Dich vorher nicht sehn, so möge Gott Dich behüten; dann gieb und [!] nur ja fleissig Nachricht von Dir, und aufrichtig; Du || weißt ja, wie mein Herz bei Dir ist. –

Grüsse Frau Hildebrand und Frau Huschke. –

Mit der innigsten Liebe umarmt Dich

Deine

Mutter Lotte.

Eben da ich abschicken will erhalten wir Deinen Brief; und ich muß Dir aussprechen daß wir damitb einverstanden sind, daß Du unter den jetzigen Umständen nicht herkommst; aber dringend bitte ich Dich, || nicht ausser Acht zu lassen, wie es Deine Pflicht ist, Deine Gesundheit zu schonen, denke doch mit welcher Liebe wir alle Dir zugethan sind, und ich hoffe auch mit Zuversicht darauf, daß Dein Leben sich wieder heiterer gestalten wird, und auch darum mußt Du nicht so durch unmässiges Arbeiten Dich verderben; gönne Dir täglich Bewegung in frischer Luft, || und den gehörigen Schlaf, dann geht auch die Arbeit besser von Statten.

Sonntag denken wir nach Berlin zu kommen, wenn Bertha bei uns übernachten soll, so ist es mir ganz recht, grüsse sie von mir. Ihr werdet wohl zur rechten Zeit an Mutter Minchen schreiben, wann sie Bertha in Swinemünde abholen soll. – Von Berlin werde ich Dir bald schreiben. – Mit herzlicher Liebe Deine Mutter.c

a eingef.: im Hause, b einge.: da; c Briefschluss auf Brief A 35442, Karl Haeckel an Ernst Haeckel, 26.09.1866: nicht außer Acht … Deine Mutter.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
26-09-1866
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36803
ID
36803